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Ratgeber

Modulgerüst oder Rahmengerüst am selben Haus: Plettac SL, Blitz und Allround im Vergleich

Ob Rahmen- oder Modulgerüst, entscheidet sich nicht am Prospekt, sondern an der Fassade. Wir stellen zwei Rahmengerüste und ein Modulgerüst an dasselbe Einfamilienhaus mit Giebeln, zählen jedes Teil nach denselben Regeln und erklären die Unterschiede aus Zulassungen und Aufbauanleitungen.

· So werden die Zahlen berechnet ·

Layher Blitz-Gerüst um ein Haus mit 11,4 × 5,3 m und Satteldach (Traufe 4,5 m, First 6 m), gezeichnet vom 3D-Modell von ScaFix
Layher Blitz um das Beispielhaus, wie ScaFix es in 3D zeichnet.

Modulgerüst oder Rahmengerüst: was braucht ein Einfamilienhaus?

Für eine glatte Fassade reicht meist ein Rahmengerüst: Am selben Haus mit 11,4 × 5,3 m Grundfläche kommt Layher Blitz auf 271 Teile und Plettac SL 70 auf 316, das Modulgerüst Layher Allround auf 481. Der Vertikalrahmen ersetzt zwei Ständer und einen Querriegel; das Modulgerüst bezahlt seine Freiheit an Ecken, Höhensprüngen und Rundungen mit mehr Einzelteilen.

Welches Haus und welche Systeme?

Verglichen wird das Beispielhaus aller ScaFix-Systemseiten: 11,4 × 5,3 m Grundriss, Traufe auf 4,5 m, Giebel bis 6 m First, allseitig eingerüstet, ohne geänderte Voreinstellungen. Alle Stückzahlen stammen aus der Materialliste von ScaFix mit denselben festen Eingaben; die Unterschiede kommen also aus den Systemen, nicht aus verschiedenen Annahmen. Verglichen werden drei Systeme mit deutscher Zulassung:

  • Layher Blitz, 3,07-m-Felder, 0,73 m breit: Rahmengerüst aus Stahl. Die gültige Zulassung Z-8.1-16.2 wurde am 2. Januar 2025 erteilt und gilt bis 4. Januar 2030 (DIBt Z-8.1-16.2).
  • Plettac SL 70 der ALTRAD plettac assco GmbH: Rahmengerüst aus Stahl mit 0,74 m Systembreite, zugelassen unter Z-8.1-29 vom 5. Juni 2020 (DIBt Z-8.1-29) und mit Bescheid vom 28. Mai 2025 verlängert bis 3. Juni 2030 (DIBt, Verlängerungsbescheid).
  • Layher Allround, 3,07-m-Felder, 0,73 m breit: Modulgerüst mit Lochscheibe, Zulassung Z-8.22-64, zuletzt mit Bescheid vom 5. April 2022 verlängert, gültig vom 2. Mai 2022 bis 2. Mai 2027 (DIBt Z-8.22-64).

Was die Gerüstarten grundsätzlich unterscheidet, steht in der Übersicht Gerüstarten; die vollständigen Listen der beiden Layher-Systeme nebeneinander zeigt Layher Allround vs. Blitz. Hier geht es darum, was sich an einem konkreten Gebäude ändert.

Wie verteilen sich die Felder auf die Wände?

In ScaFix schließt jeder Wandzug seine Ecke ein, die Gerüstlänge liegt also etwas über der Wandlänge. Mit 3,07-m-Feldern bekommen Allround und Blitz je Längswand vier Felder und je Giebel zwei, zusammen zwölf.

Plettac SL 70 hat kein 3,07-m-Feld. Der Herstellerkatalog nennt zugelassene Gerüstfeldlängen von 1,50, 2,00, 2,50 und 3,00 m (Katalog plettac SL 70/100). ScaFix belegt jede Längswand mit 2,0 + 3,0 + 3,0 + 3,0 + 2,5 m und jeden Giebel mit 2,0 + 3,0 + 2,5 m: sechzehn Felder und zwanzig Rahmenzüge statt sechzehn. Die Züge werden dabei etwas länger als bei Blitz, deshalb ist auch die Gerüstfläche größer.

Auch die Belaghöhen weichen ab. Allround und Plettac legen die zwei Arbeitsebenen auf 2,5 und 4,5 m. Blitz beginnt jeden Rahmenzug mit einem Ausgleichsrahmen 0,66 m unter den 2-m-Rahmen, die Beläge liegen deshalb auf 2,71 und 4,71 m.

Layher Allround-Gerüst um ein Haus mit 11,4 × 5,3 m und Satteldach (Traufe 4,5 m, First 6 m), gezeichnet vom 3D-Modell von ScaFix
Layher Allround um das Beispielhaus, wie ScaFix es in 3D zeichnet.

Wie viele Teile braucht jedes System?

BauteilgruppeLayher Allround (Modul)Layher Blitz (Rahmen)Plettac SL 70 (Rahmen)
Felder am Haus121216
Ständer bzw. Rahmen96 Ständer (64 × 2 m, 32 × 1 m)48 Rahmen (32 × 2 m, 16 × 0,66 m), 12 Geländerpfosten oben44 Rahmen (40 × 2 m, 4 × 1 m), 16 Geländerpfosten oben
Längs- und Querriegel72 Längsriegel, 48 Querriegelkeine: der Rahmen trägt den Belagkeine: der Rahmen trägt den Belag
Beläge252532
Längsgeländer723648
Bordbretter242432
Diagonalen8168
Stirngeländer und Stirnbordbretter1620, davon 4 Stirnseiten-Geländerrahmen8
Gerüsthalter242440
Verankerungs- und Normalkupplungen32 (24 + 8)32 (24 + 8)48 (40 + 8)
Fußspindeln32, dazu 32 Anfangsstücke32, dazu 2 Fußriegel40
Gerüstfläche203 m²210 m²231 m²
Teile insgesamt481271316

Alle drei Listen erschließen die Ebenen über Durchstiegsbeläge mit Leiter. Die Gerüstfläche ist die Ansichtsfläche vom Gelände bis zur Gerüstoberkante samt Überstand; sie folgt den Gerüstlängen und der Höhe, nicht der Wand. Die Geländer enthalten je Feld eine Reihe im untersten Feld, eine ScaFix-Regel zur Aussteifung, die die Methodik beschreibt.

Warum kommen Rahmengerüste mit so wenigen Teilen aus?

Ein Vertikalrahmen ist zwei Ständer und ein Querriegel in einem geschweißten Teil, und bei Blitz gibt ein Doppelgeländer Geländer- und Zwischenholm in einem Bauteil; Rahmen, Belagkrallen und Diagonalen erklärt Zeile für Zeile der Ratgeber Layher Blitz Materialliste berechnen. Sechzehn Rahmenzüge auf zwei Lagen ergeben bei Blitz 32 volle Rahmen, wo Allround für dieselben Züge 96 Ständer und 48 Querriegel braucht.

Plettac SL 70 folgt demselben Prinzip. Rückengeländer und andere Bauteile werden mit selbstsichernden Kippstiften angeschlossen (Katalog plettac SL 70/100). Mit 316 Teilen liegt es trotzdem über Blitz, aus zwei Gründen: Die 3,0-m-Felder mit Passfeldern von 2,0 und 2,5 m ergeben zwanzig Rahmenzüge statt sechzehn, und die Liste führt 40 statt 24 Gerüsthalter (siehe unten). An einer einzelnen Wand rechnet das der Ratgeber Plettac-Gerüst: Material berechnen vor.

Der Preis der Rahmen ist die feste Geometrie: 2 m je Lage, eine kurze Liste von Feldlängen, und jede Ecke, jeder Rücksprung und jedes Passfeld braucht Kupplungen und Ergänzungsteile. Was das an den vier Ecken dieses Hauses bedeutet, zeigt der Ratgeber zu Gerüstecken.

Was bringt die Lochscheibe des Modulgerüsts?

Die Allroundstiele tragen alle 50 cm eine Lochscheibe; die kleinen Aussparungen geben rechtwinklige Anschlüsse vor, die größeren lassen Anschlüsse in beliebigen Winkeln zu (Layher AllroundGerüst, Aufbau- und Verwendungsanleitung, Ausgabe 04.2018, Abschnitt 4.4, S. 16). Die Zulassung beschreibt den Knoten aus Lochscheibe, Anschlusskopf und unverlierbarem Keil und erlaubt je Lochscheibe höchstens acht Bauteile (Z-8.22-64, Abschnitt 1). Riegel, Querriegel und Diagonalen sind deshalb eigene Positionen.

An einer glatten Fassade kostet diese Freiheit Teile, 481 gegenüber 271 und 316. Sie zahlt sich dort aus, wo Rahmen an Grenzen stoßen: Die Anleitung hat eigene Kapitel für Raumgerüst, Traggerüst, Rundrüstung und Hängegerüste, und jede Ebene lässt sich im 50-cm-Raster setzen statt nur alle 2 m.

Wie unterscheiden sich Aussteifung und Verankerung?

SystemVorgabe von Hersteller oder ZulassungIn der ScaFix-Liste
Layher BlitzAußen mindestens in jedem fünften Feld eine Diagonale, höchstens fünf Felder je Diagonale (AuV Blitz, S. 12)Erstes und letztes Feld jedes Zugs in jeder Lage: 16
Layher AllroundMindestens jedes fünfte Feld mit Vertikaldiagonalen aussteifen, vorzugsweise außen (AuV Allround, Kapitel 5, S. 22)Eine je Zug und Lage: 8
Plettac SL 70Äußere vertikale Ebene durch Diagonalen aussteifen, einer Diagonale höchstens 5 Gerüstfelder zuordnen (Z-8.1-29, Nr. 3.3.3.6)Eine je Zug und Lage: 8

Die Gerüsthalter von Allround und Blitz folgen den Layher-Ankerrastern; mehr dazu im Ratgeber Gerüstverankerung. Für Plettac beschreibt die Zulassung drei Ankerraster. Im 8-m-versetzten Raster wird jeder Vertikalrahmenzug alle 8 m verankert, die Randzüge und ein innenliegender Leitergang alle 4 m, und in der obersten Gerüstlage ist jeder Ständer zu verankern (Z-8.1-29, Anlage B). Bei beiden Rahmengerüsten setzt ScaFix an diesem Haus an jedem inneren Rahmenzug Anker in zwei Ebenen. Plettac hat mit fünf und drei Feldern je Wand zwölf innere Rahmenzüge statt acht und führt zusätzlich 8 Anker an den Gebäudeecken, deren Lage vor Ort zu klären ist: 40 gegenüber 24.

Welches System passt zu welcher Aufgabe?

  • Gerade Fassaden an Ein- und Mehrfamilienhäusern: Rahmengerüst. Am wenigsten Teile zum Hochreichen und Zurückzählen, und die Beläge übernehmen einen Teil der Aussteifung. Ob Blitz oder Plettac, entscheidet meist der Lagerbestand.
  • Ecken, Erker, Höhensprünge, Rundungen, Industrie: Modulgerüst mit Lochscheibe. Das 50-cm-Raster und acht Anschlüsse je Knoten machen diese Formen ohne Rohr und Kupplung möglich.
  • Schwere Arbeiten wie Mauern: Die Regelausführung von Plettac SL 70 reicht bis Lastklasse 3. Für mehr gibt es das breitere SL 100 mit eigener Zulassung Z-8.1-171: Lastklasse 4 bei Feldweiten bis 3,00 m, Lastklasse 5 bis 2,50 m und Lastklasse 6 bis 2,00 m (DIBt Z-8.1-171).

Mischen lassen sich die Systeme nicht: Jede Zulassung und jede Anleitung gilt nur für die eigenen Bauteile.

Regelausführung oder Nachweis?

Nach TRBS 2121 Teil 1, Nr. 4.1, ist die Brauchbarkeit eines Gerüsts durch einen Standsicherheitsnachweis und einen Plan für Auf-, Um- und Abbau nachzuweisen, sofern es nicht nach einer allgemein anerkannten Regelausführung erstellt wird. Für eine Regelausführung gilt der Standsicherheitsnachweis als erbracht, unter anderem wenn eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für das Gerüstsystem vorliegt (Nr. 4.1.1), und die Montageanweisung muss Angaben zu Verankerung und Verankerungsgrund enthalten (Nr. 4.1.2) (TRBS 2121-1, Abschnitt 4).

Alle drei Systeme dieses Vergleichs haben eine Regelausführung in ihrer Zulassung: Blitz in Z-8.1-16.2, Allround in Z-8.22-64 und Plettac SL 70 in Z-8.1-29. Ob ein konkretes Gerüst darin bleibt, entscheidet der Abgleich mit den Anlagen der jeweiligen Zulassung, nicht die Materialliste. Bei Plettac SL 70 etwa gilt die Regelausführung für Fassadengerüste bis 24 m über Gelände zuzüglich Spindelauszug, mit Feldweiten bis 3,0 m und bis Lastklasse 3 nach DIN EN 12811-1 (Z-8.1-29, Nr. 3.1.2).

Die Bemessungsnorm für Arbeitsgerüste ist DIN EN 12811-1, die Leistungsanforderungen, Entwurf, Konstruktion und Bemessung regelt (DIN Media, DIN EN 12811-1). Wie Auftraggeber, Gerüstersteller und Nutzer Planung, Aufbau und Benutzung zusammen sicher machen, beschreibt die DGUV Information 201-011 «Verwendung von Arbeits-, Schutz- und Montagegerüsten», Ausgabe 2023.01 (DGUV). Welche Lastklasse ein Gewerk braucht, zeigt die Übersicht Lastklassen.

Wo ScaFix ins Spiel kommt

ScaFix ist ein Planungswerkzeug, das aus Wandmaßen oder einer PDF-Zeichnung ein 3D-Gerüst und eine Materialliste für viele Systeme erzeugt; die iPhone-App kann zusätzlich per LiDAR scannen. Die Zahlen oben stammen aus der ScaFix-Berechnung mit festen Eingaben, die Listen stehen vollständig auf den Seiten zu Layher Allround, Layher Blitz und Plettac SL 70/100. Einen Standsicherheitsnachweis ersetzt es nicht.

Das sind Planungsangaben, kein Standsicherheitsnachweis. Maßgeblich sind die Aufbau- und Verwendungsanleitungen und Zulassungen der Hersteller, die TRBS 2121 und die DGUV-Regeln; das Gerüst muss vor der Benutzung von einer zur Prüfung befähigten Person geprüft werden.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Modulgerüst und Rahmengerüst?

Das Rahmengerüst besteht aus vorgefertigten Vertikalrahmen mit fester Höhe und Breite. Das Modulgerüst baut aus Ständern mit Knoten, an die Riegel und Diagonalen in mehreren Richtungen angeschlossen werden, und passt sich so mehr Formen an.

Ist ein Rahmengerüst am Einfamilienhaus günstiger?

Es braucht meist deutlich weniger Teile, an diesem Haus 271 oder 316 statt 481. Das spart Transport und Montagezeit; den Preis bestimmen aber Mietkonditionen und Lagerbestand.

Darf man Allround- und Blitz-Teile mischen?

Nur soweit Layher das in den Unterlagen vorsieht. Bauteile verschiedener Hersteller zu mischen liegt außerhalb jeder Zulassung und braucht einen eigenen Nachweis.

Was ist Plettac SL 70?

Ein Stahl-Rahmengerüst der ALTRAD plettac assco GmbH mit Zulassung Z-8.1-29, Feldlängen von 1,50 bis 3,00 m und Kippstiften als Verbindung. Die Regelausführung reicht bis Lastklasse 3; für schwerere Arbeiten ist das SL 100 gedacht.

Welches System braucht die meisten Gerüsthalter?

An diesem Haus Plettac SL 70 mit 40, Allround und Blitz mit je 24. Entscheidend sind das Ankerraster der Zulassung, die Zahl der Rahmenzüge und die Ecken, nicht die Bauart.

Quellen

Die Primärquellen dieses Artikels, jeweils mit dem Datum, an dem sie gelesen wurden.

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