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Sicherheit

Absturzunfälle am Gerüst: was die Statistik von DGUV und BG BAU zeigt

Abstürze sind seit Jahren die häufigste Ursache tödlicher Arbeitsunfälle am Bau. Hier stehen die amtlichen Zahlen der DGUV, der BG BAU und von Destatis, jeweils mit Jahr und Quelle, und was sie für die Planung von Seitenschutz, Verankerung und Prüfung bedeuten.

Von Ole Emil Frikstad Urstad · So werden die Zahlen berechnet ·

HAKI Universal-Gerüst mit Treppenturm um ein 16,5 m hohes Gebäude, acht Lagen hoch, im 3D-Modell von ScaFix
HAKI Universal mit Treppenturm, acht Lagen.

Wie viele tödliche Absturzunfälle gibt es am Gerüst?

Laut DGUV-Statistik 2024 endeten 53 Absturzunfälle im Betrieb tödlich, ein knappes Viertel aller 218 tödlichen Arbeitsunfälle im Betrieb. Zehn davon, also 18,9 Prozent, waren Abstürze von Gerüsten, elf von Leitern. Bei der BG BAU waren Abstürze 2025 mit 41 Prozent die häufigste Ursache tödlicher Unfälle.

Welche Zahlen sind die aktuellsten?

Die drei amtlichen Quellen erscheinen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und zählen unterschiedlich:

QuelleWas sie zähltNeueste verwendete Ausgabe
DGUV, Statistik ArbeitsunfallgeschehenAlle gewerblichen Berufsgenossenschaften und die öffentliche Hand, mit UnfallhergangBerichtsjahr 2024, Ausgabe Oktober 2025
DGUV, tödliche Arbeitsunfälle nach TrägerGesamtzahlen je Berufsgenossenschaft2025
BG BAU, JahreszahlenVersicherte der Bauwirtschaft2025, Pressekonferenz vom 16. Juli 2026
DestatisQuote je 100.000 Erwerbstätige, auf Basis der europäischen Statistik ESAWBerichtsjahr 2023, Stand 31. Oktober 2025

Die ausführliche Aufschlüsselung nach Absturzort (Gerüst, Leiter, Dach) gibt es nur in der DGUV-Statistik, deren neueste Ausgabe das Jahr 2024 abdeckt. Für 2025 liegen bisher nur Gesamtzahlen und die Ursachenverteilung der BG BAU vor. Die meldepflichtigen Unfälle in der DGUV-Statistik sind aus einer Stichprobe hochgerechnet, kleine Abweichungen durch Rundung sind deshalb möglich.

Wie viele Beschäftigte sterben bei Arbeitsunfällen am Bau?

KennzahlWertJahrQuelle
Tödliche Arbeitsunfälle, alle Unfallversicherungsträger345 (2024) und 328 (2025)2024–2025DGUV
Tödliche Arbeitsunfälle bei der BG BAU85, 74, 76, 78, 742021–2025BG BAU
Meldepflichtige Arbeitsunfälle bei der BG BAU89.113 (2021: 103.525)2025BG BAU
Unfallquote BG BAU42,95 je 1.000 Vollzeitbeschäftigte (2024: 43,76)2025BG BAU
Baugewerbe: meldepflichtige Unfälle103.598, das sind 16,6 % der gewerblichen Wirtschaft2024DGUV-Statistik
Baugewerbe: tödliche Unfälle74, das sind 36,1 % der gewerblichen Wirtschaft2024DGUV-Statistik
Tödliche Arbeitsunfälle je 100.000 Erwerbstätige, Deutschland0,7 (2006: gut 2)2023Destatis

Der Bau trägt also gut ein Drittel der Todesfälle in der gewerblichen Wirtschaft, obwohl dort nur ein Sechstel der meldepflichtigen Unfälle passiert. Die DGUV weist für die BG BAU 78 Tote im Jahr 2024 und 74 im Jahr 2025 aus. Destatis zeigt den langfristigen Rückgang: Die Quote tödlicher Arbeitsunfälle ist seit 2006 auf etwa ein Drittel gesunken.

Nahaufnahme der Ecke, an der Längswand und Giebelwand zusammentreffen, mit Layher Allround-Stielen, Belägen, Geländern und Bordbrettern im 3D-Modell von ScaFix
Die Ecke: Die Felder der beiden Wände treffen sich, mit Belag, Geländer und Bordbrett auf jeder Lage.

Woran sterben Beschäftigte am Bau?

Die BG BAU veröffentlicht jedes Jahr die Ursachen der tödlichen Arbeitsunfälle ihrer Versicherten.

Ursache20242025
Absturz36 %41 %
Herabfallende oder kippende Teile26 %19 %
Angefahren- oder Überfahrenwerdennicht ausgewiesen14 %
Maschinenunfällenicht ausgewiesen11 %

Quellen: BG BAU, Jahreszahlen 2025 und Bilanz 2024. Bei 74 Todesfällen im Jahr 2025 entsprechen 41 Prozent rechnerisch etwa 30 tödlichen Abstürzen; die BG BAU nennt in der Pressemappe nur den Anteil.

Absturz und herabfallende Teile zusammen erklären damit rund 60 Prozent der tödlichen Unfälle am Bau. Beide hängen unmittelbar mit Arbeiten in der Höhe zusammen, und beide betreffen das Gerüst: als Arbeitsplatz, von dem man fällt, und als Ablage, von der Material fällt.

Wie oft ist das Gerüst die Absturzstelle?

Die DGUV-Statistik Arbeitsunfallgeschehen 2024 schlüsselt die Absturzunfälle im Betrieb danach auf, wovon die Beschäftigten abgestürzt sind (Gegenstand der Abweichung). Erfasst sind abhängig Beschäftigte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer aller Branchen.

Absturz von ...Meldepflichtige UnfälleNeue UnfallrentenTödliche Unfälle
Leitern, Trittleitern10.087 (29,3 %)741 (38,8 %)11 (20,8 %)
Gerüsten (außer Fahr- und Behelfsgerüsten)1.578 (4,6 %)164 (8,6 %)10 (18,9 %)
Dächern, Terrassen, Glasdächern515 (1,5 %)133 (7,0 %)6 (11,3 %)
Treppen7.083 (20,5 %)136 (7,1 %)4 (7,5 %)
Lkw, Aufbauten, Ladeflächen4.398 (12,8 %)235 (12,3 %)3 (5,7 %)
Alle Absturzunfälle34.4701.90853

Quelle: DGUV, Statistik Arbeitsunfallgeschehen 2024, Tabelle 39.

Die Zahlen zeigen ein klares Muster. Gerüste stehen nur für knapp fünf Prozent der meldepflichtigen Abstürze, aber für fast ein Fünftel der tödlichen. Das deutet auf höhere Absturzhöhen hin, belegen lässt es sich mit der Statistik nicht. Insgesamt machen Abstürze fünf Prozent der meldepflichtigen Unfälle im Betrieb aus, aber 21,8 Prozent der neuen Unfallrenten und 24,3 Prozent der Todesfälle.

Gerüstunfälle insgesamt

Zählt man alle Unfälle, bei denen ein Gerüst der auslösende Gegenstand war, also auch Stolpern auf dem Belag oder Anstoßen, kommt die DGUV für 2024 auf 5.199 meldepflichtige Unfälle, 270 neue Unfallrenten und 12 Todesfälle. Fast 90 Prozent davon betreffen stationäre Gerüste, rund fünf Prozent Fahrgerüste. Die DGUV nennt Abstürze vom Gerüst als Hauptursache, 82 Prozent der Unfälle passieren auf Baustellen, und die Höhe der Gerüste lässt sich aus der Statistik nicht ableiten.

Was weiß man über Gerüstbauer und die Absturzhöhe?

Die BG BAU ergänzt die Gesamtstatistik mit Angaben zum eigenen Versichertenbestand:

  • Auf ihrer Seite zu Absturzunfällen nennt sie Leitern, Gerüste und Dächer als häufigste Auslöser von Abstürzen. 50 Prozent der tödlichen Absturzunfälle passieren aus weniger als fünf Metern Höhe. Die meisten tödlichen Abstürze passieren nach derselben Seite von Dächern, Glasdächern, Dachstühlen und Dachhaut, weil dort die Absturzhöhen häufig groß sind; die BG BAU stützt sich dabei auf tödliche Arbeitsunfälle der Jahre 2006 bis 2019. In der DGUV-Tabelle für 2024 liegen Dächer mit sechs Todesfällen hinter Leitern und Gerüsten, ein einzelnes Jahr mit kleinen Zahlen. In den Jahren 2006 bis 2015 machten Abstürze durchschnittlich 8,37 Prozent aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle aus.
  • Im Faltblatt Gerüstbau: Unsere lebenswichtigen Regeln heißt es, dass Beschäftigte im Gerüstbau in den letzten Jahren etwa doppelt so oft Unfälle hatten wie der Durchschnitt im Baugewerbe, und dass Abstürze etwa acht Prozent ihrer meldepflichtigen Unfälle ausmachen. Die meisten Unfälle passieren beim Bewegen im Gerüst, auf der Gerüstleiter sowie durch Stolpern, Rutschen und Stürzen auf Gerüstböden. Das Faltblatt nennt kein Bezugsjahr.

Was bedeuten die Zahlen für die Gerüstplanung?

Die deutschen Zahlen setzen eigene Schwerpunkte: Leitern töten mindestens so oft wie Gerüste, herabfallende Teile sind die zweithäufigste Todesursache am Bau, und das Dach ist über die Jahre die gefährlichste Absturzkante.

Leitern töten so oft wie Gerüste: den Treppenturm einplanen

Elf tödliche Abstürze von Leitern stehen 2024 zehn von Gerüsten gegenüber, und Leitern führen auch bei den neuen Unfallrenten. Ein Treppenturm oder innenliegende Leitergänge mit Durchstiegsklappen gehören deshalb in die Planung, nicht erst auf die Baustelle. Für kurze Arbeiten kann ein Rollgerüst sicherer sein als eine Anlegeleiter.

Herabfallende Teile: Bordbrett, Netz und Schutzdach

Herabfallende oder kippende Teile waren 2025 bei 19 Prozent der tödlichen Unfälle der BG BAU die Ursache. Am Gerüst halten Bordbretter auf allen Lagen Material auf dem Belag; über Verkehrswegen und Eingängen gehören Schutzwand, Netz oder Schutzdach in den Plan. Davon getrennt ist die Verankerung: Sie hält das Gerüst gegen Kippen, besonders wenn Netze oder Planen die Windlast erhöhen.

Das Dach als Absturzkante mitdenken

Wenn die meisten tödlichen Abstürze nach BG BAU vom Dach passieren, endet die Planung nicht an der obersten Gerüstlage. Ein Dachfanggerüst oder ein über die Traufe hochgezogener Seitenschutz gehört bei Dacharbeiten in die Ausschreibung, und Geländer auf den unteren Lagen bleibt Pflicht, weil die Hälfte der tödlichen Abstürze aus weniger als fünf Metern passiert. Welche Vorschrift was verlangt, steht in Gerüst-Vorschriften, die Prüfung in der Checkliste für die Gerüstprüfung.

Wie passt ScaFix dazu?

ScaFix zeigt Seitenschutz, Bordbretter und Zugänge Lage für Lage für viele Gerüstsysteme, sodass ein fehlender Treppenturm schon im Plan auffällt; die Methodik-Seite erklärt, was das Modell nicht berechnet.

Die Zahlen sind Hintergrund, keine Bemessungsgrundlage, und diese Seite ist keine statische Freigabe. Maßgeblich sind die Aufbau- und Verwendungsanleitung und der DIBt-Bescheid des Herstellers sowie TRBS 2121 Teil 1, und eine befähigte Person nach TRBS 1203 prüft das Gerüst vor der Benutzung.

Häufige Fragen

Wie viele tödliche Arbeitsunfälle gab es 2025 am Bau?

Die BG BAU meldet für 2025 insgesamt 74 tödliche Arbeitsunfälle, nach 78 im Jahr 2024. Abstürze waren mit 41 Prozent die häufigste Ursache.

Wie viele Abstürze vom Gerüst enden tödlich?

In der DGUV-Statistik für 2024 waren es zehn von 53 tödlichen Absturzunfällen im Betrieb, also 18,9 Prozent. Bei den meldepflichtigen Absturzunfällen liegt der Gerüstanteil dagegen nur bei 4,6 Prozent.

Aus welcher Höhe passieren tödliche Abstürze?

Laut BG BAU passiert die Hälfte der tödlichen Absturzunfälle aus weniger als fünf Metern Höhe. Deshalb gehört Seitenschutz schon auf die unteren Gerüstlagen.

Sind Gerüstbauer besonders gefährdet?

Nach Angaben der BG BAU hatten Beschäftigte im Gerüstbau in den letzten Jahren etwa doppelt so oft Unfälle wie der Durchschnitt im Baugewerbe.

Warum unterscheiden sich die Zahlen von DGUV und BG BAU?

Die DGUV-Statistik umfasst alle Branchen und alle Unfallversicherungsträger und schlüsselt den Hergang auf, die BG BAU zählt nur ihre Versicherten aus der Bauwirtschaft. Außerdem werden die meldepflichtigen Unfälle der DGUV aus einer Stichprobe hochgerechnet.

Quellen

Die Primärquellen dieses Artikels, jeweils mit dem Datum, an dem sie gelesen wurden.