Ausbildung
Gerüstbauer werden: Ausbildung und Weg
Gerüstbauer ist ein zulassungspflichtiges Handwerk mit eigener Ausbildungsordnung und eigenem Meister. Die Ausbildung läuft an nur wenigen Standorten in Deutschland, deshalb lohnt sich der Blick auf den Ablauf, bevor man sich bewirbt.
Von Ole Emil Frikstad Urstad · So werden die Zahlen berechnet ·

Wie wird man Gerüstbauer?
Über eine dreijährige duale Ausbildung im Gerüstbauer-Handwerk. Gelernt wird im Betrieb, in einer von bundesweit vier Berufsschulen im Blockunterricht und 25 Wochen in überbetrieblichen Zentren in Dortmund, Weiterstadt oder Magdeburg. Ein bestimmter Schulabschluss ist rechtlich nicht vorgeschrieben. Nach der Gesellenprüfung folgen Kolonnenführer und Meister.
Was macht ein Gerüstbauer?
Laut BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit rüsten Gerüstbauer Fassaden mit Arbeits- und Schutzgerüsten ein, montieren Systembauteile und verankern das Gerüst am Bauwerk; im Spezialgerüstbau bauen sie auch Traggerüste für Schalungen. Gearbeitet wird draußen bei Kälte, Hitze und Regen, auf ständig wechselnden Baustellen, teils überregional und mit häufiger Abwesenheit vom Wohnort. Körperbeherrschung und Schwindelfreiheit werden ausdrücklich genannt.
Das Berufsbild ist breiter, als viele denken. Die Ausbildungsordnung zählt 20 Ausbildungsinhalte auf, darunter das Verankern von Gerüsten, das Bauen von Arbeits- und Schutzgerüsten, von Traggerüsten, von Hängegerüsten sowie von Wetterschutzhallen und Einhausungen (GerüstbAusbV).
Wie ist die Ausbildung aufgebaut?
Gerüstbauer ist seit 1991 anerkannter Ausbildungsberuf und steht seit 1998 als Vollhandwerk in der Anlage A der Handwerksordnung, heute unter Nummer 11 (Bundesinnung; HwO Anlage A). Grundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung zum Gerüstbauer vom 26. Mai 2000. Sie legt fest:
- Dauer: drei Jahre (§ 2).
- Überbetriebliche Ausbildung: 25 Wochen, davon 10 im ersten, 10 im zweiten und 5 im dritten Jahr (§ 3).
- Zwischenprüfung: vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres, mit einer praktischen Aufgabe von höchstens sechs Stunden (§ 8).
- Gesellenprüfung: zwei praktische Aufgaben in höchstens neun Stunden, zum Beispiel das Einrüsten eines Bauwerks einschließlich Abbau oder ein Traggerüst; schriftlich 150 Minuten Arbeits-, Schutz- und Traggerüste, 150 Minuten Sonderkonstruktionen und bewegliche Arbeitsplattformen, 60 Minuten Wirtschafts- und Sozialkunde (§ 9).
Die Bundesinnung rechnet die drei Jahre so: 39 Wochen Berufsschule, 77 Wochen im Betrieb, 25 Wochen überbetrieblich.

Was lernt man in der Ausbildung?
§ 4 der Ausbildungsverordnung zählt die Mindestinhalte auf. Neben den allgemeinen Punkten wie Arbeitsschutz, Umweltschutz und Berufsbildungsrecht sind das vor allem:
- Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen sowie Anfertigen und Anwenden technischer Unterlagen
- Einrichten, Sichern und Räumen von Baustellen und Durchführen von Vermessungsarbeiten
- Warten, Lagern und Transportieren von Gerüstbauteilen
- Beurteilen von Traggründen und Herstellen der Tragfähigkeit
- Verankern von Gerüsten
- Bauen von Arbeits- und Schutzgerüsten, von Traggerüsten mit Unterkonstruktion einschließlich der Grundschalung und von Hängegerüsten
- Arbeitsplattformen, Arbeitsbühnen und Aufzüge
- Bauen von Wetterschutzhallen, Einhausungen und Gerüsten für besondere Anforderungen
- qualitätssichernde Maßnahmen und Berichtswesen
Der Beruf reicht also weit über das Fassadengerüst am Einfamilienhaus hinaus. Das spiegeln auch die schriftlichen Prüfungsbereiche der Gesellenprüfung wider: Arbeits-, Schutz- und Traggerüste sowie Sonderkonstruktionen und bewegliche Arbeitsplattformen.
Wo findet die Berufsschule statt?
Weil Gerüstbauer ein kleiner Beruf ist, gibt es keine Berufsschule in jeder Stadt. Unterricht und überbetriebliche Ausbildung laufen in Blöcken, die Auszubildenden wohnen dabei im Internat oder im Hotel. Die Bundesinnung nennt drei Verbünde aus Zentrum und Schule:
| Region | Überbetriebliches Zentrum | Berufsschule |
|---|---|---|
| Westen | Ausbildungszentrum Hansemann der HwK Dortmund | Fritz-Henßler-Berufskolleg, Dortmund |
| Mitte und Süden | BTZ der HwK Frankfurt-Rhein-Main, Weiterstadt | Berufliche Schulen Groß-Gerau |
| Osten | ÜAZ Bau Bildung Sachsen-Anhalt, Magdeburg | BbS „Otto von Guericke“ Magdeburg, Max-Bill-Schule Berlin |
Magdeburg ist seit 2024 der vierte Berufsschulstandort bundesweit und nimmt Auszubildende aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf; erwartet wurden rund 56 Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2024/25 (Bildungsministerium Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung 38/2024). Finanziert wird die Ausbildung arbeitgeberseitig über den Beitrag zur Sozialkasse des Gerüstbaugewerbes.
Welche Voraussetzungen braucht man?
Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben; die Betriebe wählen nach eigenen Kriterien aus. Wer unter 18 ist, braucht eine ärztliche Bescheinigung über die Erstuntersuchung. Laut DAZUBI-Datenblatt des BIBB wurden 2024 insgesamt 405 neue Ausbildungsverträge im Gerüstbauer-Handwerk geschlossen. Davon hatten 216 (53 %) den ersten Schulabschluss, früher Hauptschulabschluss, 93 (23 %) einen mittleren Abschluss, 45 (11 %) keinen Abschluss und 39 (10 %) die Hochschul- oder Fachhochschulreife. Ausbildungsplätze listet die Bundesinnung im Portal geruestbaulehre.de.
Wie geht es nach der Gesellenprüfung weiter?
Zwei Fortbildungen sind bundesrechtlich geregelt:
- Geprüfter Gerüstbau-Kolonnenführer. Die Prüfungsverordnung von 1978, zuletzt 2019 geändert, verlangt unter anderem das sach- und fachgerechte Aufstellen der verschiedenen Gerüstsysteme, -arten und -klassen einschließlich der Bauüberwachung (GerüstbPrV). Zugelassen wird nach § 2, wer eine einschlägige Abschlussprüfung und ein Jahr Berufspraxis, eine Abschlussprüfung in einem anderen anerkannten Beruf und zwei Jahre Praxis oder fünf Jahre Berufspraxis nachweist. Damit ist der Kolonnenführer auch für Quereinsteiger ohne Gerüstbauer-Gesellenbrief erreichbar.
- Gerüstbauermeister. Die Meisterprüfungsverordnung vom 12. Dezember 2000, zuletzt 2022 geändert, gliedert die Prüfung in vier Teile: Praxis, Fachtheorie, betriebswirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse sowie Berufs- und Arbeitspädagogik. Der Meister befähigt, einen Handwerksbetrieb selbständig zu führen und auszubilden (GerüstbMstrV).
Auf jeder Baustelle braucht es eine fachkundige Person, unter deren Aufsicht Gerüste auf-, ab- oder umgebaut werden (BetrSichV Anhang 1 Nr. 3.2.6). Die BG BAU stellt klar, dass diese Person Berufsausbildung, Berufserfahrung oder eine zeitnahe berufliche Tätigkeit braucht und ihr Wissen durch Schulungen aktuell halten muss, und warnt, dass fehlende Qualifikation zu mangelhaften Gerüsten und Unfällen führen kann (BG BAU, Baustein C 356). Welche Regeln dabei sonst gelten, steht in den Gerüstvorschriften.
Gibt es einen Mindestlohn im Gerüstbau?
Ja. Die Neunte Gerüstbauerarbeitsbedingungenverordnung erstreckt den Mindestlohn-Tarifvertrag vom 25. September 2025, abgeschlossen zwischen Bundesverband Gerüstbau und Bundesinnung auf der einen und der IG BAU auf der anderen Seite, auf alle nicht tarifgebundenen Arbeitgeber der Branche. Sie gilt seit dem 1. Januar 2026 und tritt mit Ablauf des 31. Dezember 2027 außer Kraft (9. GerüstbauerArbbV). Die Beträge stehen in der Verordnung selbst.
Was sollte man vor dem ersten Tag kennen?
Wer die Bauteile beim Namen kennt, Ständer, Riegel, Belag, Seitenschutz, Bordbrett und Verankerung, hat es auf der Baustelle leichter; die Übersicht über Gerüstteile und den Ablauf beim Gerüst aufbauen hilft dabei. Wer sehen will, wie Felder, Lagen und Verankerung zusammenpassen, kann in ScaFix ein 3D-Gerüst samt Stückliste aus den Wandmaßen erzeugen.
Diese Seite beschreibt Ausbildungswege, keine Anforderungen an eine bestimmte Baustelle. Wer Gerüste auf-, ab- oder umbauen darf, regeln die BetrSichV und die TRBS 2121 Teil 1; die BG BAU berät als Unfallversicherungsträger. Ausbildungsfragen klären die Handwerkskammer und die Bundesinnung.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Ausbildung zum Gerüstbauer?
Drei Jahre. Davon entfallen nach Angaben der Bundesinnung 39 Wochen auf die Berufsschule, 77 Wochen auf den Betrieb und 25 Wochen auf überbetriebliche Lehrgänge.
Welchen Schulabschluss braucht man als Gerüstbauer?
Rechtlich keinen bestimmten. 2024 hatte laut BIBB gut die Hälfte der neuen Auszubildenden den ersten Schulabschluss (früher Hauptschulabschluss).
Wo gehen Gerüstbauer zur Berufsschule?
In Blockunterricht an wenigen Standorten: Dortmund, Groß-Gerau, Magdeburg und Berlin. Die überbetrieblichen Zentren liegen in Dortmund, Weiterstadt und Magdeburg.
Ist Gerüstbauer ein Meisterhandwerk?
Ja. Gerüstbauer steht in Anlage A der Handwerksordnung, es gibt eine eigene Meisterprüfungsverordnung, und der Meister berechtigt zur Führung eines Betriebs.
Gibt es einen Gerüstbau-Mindestlohn?
Ja, über die 9. GerüstbauerArbbV, gültig vom 1. Januar 2026 bis zum 31. Dezember 2027 für alle Arbeitgeber der Branche.
Kann man ohne Ausbildung Kolonnenführer werden?
Ja. Die Prüfungsverordnung lässt auch zu, wer fünf Jahre einschlägige Berufspraxis nachweist; mit Gesellenbrief genügt ein Jahr Praxis.
Quellen
Die Primärquellen dieses Artikels, jeweils mit dem Datum, an dem sie gelesen wurden.
- Bundesagentur für Arbeit: BERUFENET Gerüstbauer/in (Datensatz 4066) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- BIBB: DAZUBI-Datenblatt Gerüstbauer/-in (32162), Berichtsjahr 2024 (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Gesetze im Internet: Verordnung über die Berufsausbildung zum Gerüstbauer (GerüstbAusbV) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Gesetze im Internet: Handwerksordnung, Anlage A (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk: Ausbildung (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Bildungsministerium Sachsen-Anhalt: Pressemitteilung 38/2024 (Magdeburg als vierter Standort) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Gesetze im Internet: Gerüstbau-Kolonnenführer-Prüfungsverordnung (GerüstbPrV) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Gesetze im Internet: Gerüstbauermeisterverordnung (GerüstbMstrV) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Gesetze im Internet: BetrSichV Anhang 1 (gelesen am 23. Oktober 2026)
- BG BAU: Baustein C 356, Gerüstbauarbeiten – fachkundige Person (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Gesetze im Internet: 9. GerüstbauerArbbV § 1 (gelesen am 23. Oktober 2026)