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Ratgeber

Fassadengerüst planen: Schritt für Schritt

Ein Gerüstplan beantwortet vor dem ersten Lkw vier Fragen: wie lang, wie hoch, wie breit und wie verankert. Hier ist die Reihenfolge, in der ein Fassadengerüst geplant wird, mit den Maßen aus Zulassungen, Aufbau- und Verwendungsanleitungen, TRBS 2121 und BG-BAU-Bausteinen.

Von Ole Emil Frikstad Urstad · So werden die Zahlen berechnet ·

Layher Allround-Gerüst um ein Haus mit 11,4 × 5,3 m und Satteldach (Traufe 4,5 m, First 6 m), gezeichnet vom 3D-Modell von ScaFix
Layher Allround um das Beispielhaus, wie ScaFix es in 3D zeichnet.

Wie plant man ein Fassadengerüst?

Alle Wände und die Traufhöhe aufmessen, System sowie Last- und Breitenklasse wählen, jede Wand in Gerüstfelder teilen und die Ecken planen, Gerüstlagen von etwa 2 m bis zur Arbeitshöhe stapeln, dann Zugänge, Verankerung, Fußspindeln und Bekleidung festlegen. Zum Schluss die Materialliste erstellen und alles mit der Aufbau- und Verwendungsanleitung abgleichen.

Was muss vor der Planung feststehen?

Drei Dinge: die Gebäudemaße, die Arbeiten vom Gerüst aus und das verfügbare Gerüstsystem. Die Arbeiten bestimmen Last- und Breitenklasse, und beide werden unabhängig voneinander gewählt: die eine nach dem Gewicht von Personen und Material, die andere nach dem Platzbedarf. Die Tabellen mit den Lasten je m² und den Breitenklassen W06 bis W24 stehen im Beitrag zu den Lastklassen beim Gerüst. Für das Absetzen von Lasten mit dem Hebezeug verlangt die BG BAU im Baustein B 113 mindestens Lastklasse 4.

Die Maße nehmen Sie am besten vor Ort auf; eine maßstäbliche PDF-Ansicht ist ein guter Start. Wie aus Länge und Höhe die Gerüstfläche wird, zeigt die Anleitung Gerüstfläche berechnen.

Fassadengerüst planen in acht Schritten

Arbeiten Sie die Schritte in dieser Reihenfolge ab; jeder baut auf dem vorherigen auf.

1. Wände aufmessen

Länge jeder Wand, Trauf- und Firsthöhe, Giebel, Erker, Balkone, freizuhaltende Türen und alles am Boden aufnehmen: Schächte, Stufen, Gefälle. Geländesprünge entlang der Wand notieren, denn sie bestimmen den Spindelauszug.

2. System, Last- und Breitenklasse wählen

Ein System wählen, für das Bauteile und Aufbau- und Verwendungsanleitung vorliegen, dann die Lastklasse nach Gewerk und die Breitenklasse nach Platzbedarf. Die Zulassung begrenzt die Feldweite: beim plettac SL 100 mit 1,07 m Systembreite 3,00 m bis Lastklasse 4, 2,50 m für Lastklasse 5 und 2,00 m für Lastklasse 6, bei Aufbauhöhen bis 24 m (Z-8.1-171, Anlage B.pdf)).

3. Felder je Wand einteilen

Jede Wand mit der größten zulässigen Feldlänge füllen und den Rest mit kürzeren Feldern schließen, sodass das Gerüst knapp über die Ecke reicht. Den Wandabstand von höchstens 0,30 m nach DGUV Information 201-011, Abschnitt 5.4 einhalten und Konsolen vorsehen, wo Gesimse oder Erker ihn vergrößern.

4. Ecken planen

Für jede Außenecke festlegen, wie sie geschlossen wird: überlappendes Feld, Eckkonsole oder gemeinsamer Ständer. Bei umlaufender Einrüstung verlangt die BG BAU (B 113), den Belag in voller Breite um die Ecke zu führen. Innenecken brauchen ein eigenes Detail, damit keine Lücke zwischen den Gerüstzügen bleibt.

5. Gerüstlagen festlegen

Lagen von 2 m, der Rahmenhöhe laut Layher-Anleitung, von der ersten bis zur obersten Arbeitsebene stapeln und die oberste Lage nach der Arbeit an Traufe und Dachrand ausrichten. Die erste Lage über die Fußspindeln ausgleichen und über der obersten Arbeitsebene den Seitenschutz vorsehen.

6. Zugänge planen

Zugänge zu hochgelegenen Arbeitsplätzen mindestens alle 50 m vorsehen (TRBS 2121-1, 4.3.2); Treppen, Aufzüge und Transportbühnen sind Leitern vorzuziehen. Innenliegende Leitern sind laut DGUV Information 201-011 nur bis 5 m Aufstiegshöhe zulässig, wenn Treppen, Aufzüge oder Transportbühnen nicht einsetzbar sind.

7. Anker, Untergrund und Bekleidung planen

Das Ankerraster für die vorgesehene Bekleidung aus Anleitung oder Zulassung übernehmen, im Plan nach TRBS 2121-1, 4.1.2 festhalten und die Anker in tragfähige Bauteile setzen. Jeden Ständer auf eine Fußspindel mit lastverteilender Unterlage stellen und den Boden auf verfüllte Gräben, Schächte und weichen Untergrund prüfen.

8. Materialliste erstellen und Plan prüfen

Alle Bauteile Wand für Wand zählen, Kleinteile mit Reserve ansetzen, und den Plan gegen Anleitung, Seitenschutzmaße und Wandabstand prüfen. Alles, was von der Regelausführung abweicht, braucht einen Standsicherheitsnachweis (TRBS 2121-1, 4.1.1).

Wie hoch ist eine Gerüstlage?

Beim Rahmengerüst gibt der Rahmen die Lage vor. Die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Layher Blitz Gerüsts (Ausgabe 11.2013) sagt es ausdrücklich: Die Rahmen sind 2,00 m hoch und bestimmen damit den Abstand zwischen den Belagsebenen. Für den Höhenausgleich lässt die Zulassung des plettac SL 100.pdf) die Vertikalrahmen 150, 100 und 50 als Ausgleichsrahmen zu; auf Gerüstlagen unmittelbar unterhalb dieser Rahmen darf allerdings nicht gearbeitet werden (Abschnitt 3.3.3.3). Wer also mit einem kurzen Rahmen auf die gewünschte Arbeitshöhe kommen will, verliert die Lage darunter als Arbeitsebene.

Die oberste Lage richtet sich nach der Arbeit, nicht nach dem Boden. Für Arbeiten an Traufe und Dachrand die Arbeitsebene knapp unter die Traufe legen; der Seitenschutz läuft darüber hinaus. In der Regelausführung darf beim plettac SL 100 die oberste Gerüstlage höchstens 24 m zuzüglich Spindelauszug über Gelände liegen; höhere Gerüste brauchen einen eigenen Nachweis.

PERI UP-Gerüst an einer einzelnen Giebelwand mit 9,15 m und 7,5 m Firsthöhe, im 3D-Modell von ScaFix
PERI UP an einer Giebelwand: Das Gerüst folgt dem Giebel.

Welche Maße gelten für Seitenschutz und Wandabstand?

AnforderungMaßQuelle
Oberkante Seitenschutzmindestens 1,00 m über der ArbeitsflächeDGUV Information 201-023
Abstand Geländerholm, Zwischenholm, Bordbretthöchstens 0,47 mDGUV Information 201-023
BordbrettOberkante 0,15 m über der Standfläche, mindestens 3,0 cm dickDGUV Information 201-023
Abstand Belag zum Bauwerkhöchstens 0,30 m, sonst innenliegender Seitenschutz oder KonsolenDGUV Information 201-011, Abschnitt 5.4; TRBS 2121-1, 4.3.1
Seitenschutzan Außen- und Stirnseiten, dreiteiligBG BAU B 113

Quellen: DGUV Information 201-023 (Ausgabe September 2018), DGUV Information 201-011 (Ausgabe Januar 2023) und TRBS 2121 Teil 1, Abschnitt 4. Der Wandabstand von 0,30 m gilt laut DGUV auch an Vor- und Rücksprüngen, Fensternischen, Gesimsen und Balkonen. An der Innenseite darf auf das Bordbrett verzichtet werden, wenn an der Fassade gearbeitet wird. Die übrigen Pflichten aus BetrSichV, TRBS 2121 und DGUV-Regelwerk fasst der Beitrag zu den Gerüst-Vorschriften zusammen.

Wie wird das Fassadengerüst verankert?

Das Ankerraster steht in der Aufbau- und Verwendungsanleitung beziehungsweise der Zulassung, abhängig von Bekleidung und Aufbauvariante. Die Zulassung Z-8.1-171 für das plettac SL 100 (Anlage B) beschreibt drei Raster:

  • 8-m-Raster: jeder Vertikalrahmenzug alle 8 m, benachbarte Züge um den halben Abstand versetzt; die Randzüge alle 4 m.
  • 4-m-Raster: jeder Vertikalrahmenzug alle 4 m.
  • 2-m-Raster: jeder Knoten.

In allen drei Fällen wird in der obersten Gerüstlage jeder Ständer verankert; jede zweite Verankerung darf dort entfallen, wenn der Ständer in der Ebene darunter verankert ist. Die Ankerkräfte der Tabellen sind charakteristische Werte und für den Nachweis der Weiterleitung ins Bauwerk mit dem Teilsicherheitsbeiwert 1,5 zu multiplizieren. Die Layher-Anleitung ergänzt einen Praxispunkt: Netze und Planen, Konsolen, Schutzdächer und Dachfanglagen brauchen dichtere Ankerraster.

Die TRBS 2121-1 verlangt, dass Verankerung und Verankerungsgrund im Plan für den Auf-, Um- und Abbau beschrieben sind (4.1.2), und die BG BAU, dass das Gerüst fortlaufend mit dem Aufbau zug- und druckfest verankert wird. Planen Sie deshalb zuerst die Bekleidung und dann das Ankerraster.

Was gilt für Untergrund und Fußpunkte?

Nur tragfähigen Untergrund nutzen und lastverteilende Unterlagen verwenden; Mauersteine sind als Unterlage nicht zulässig. Gerüste stehen immer auf Fußspindeln, Rohre oder Rahmen nie direkt auf dem Boden. Schächte, Kanäle, Zisternen, schlecht verdichteter Boden und Böschungen von Baugruben mindern die Tragfähigkeit (BG BAU B 113). Laut DGUV 201-011 sind dem Gerüstersteller Angaben zur Tragfähigkeit des Untergrundes vor dem Aufbau mitzuteilen, etwa zu verfüllten Baugruben, Gräben oder Dachkonstruktionen.

Wie prüfen Sie Plan und Materialliste?

Die Materialliste Wand für Wand gegen den Plan lesen: Rahmen, Beläge, Geländer- und Zwischenholme, Bordbretter je Feld, Fußspindeln je Ständer, Gerüsthalter je Ankerpunkt, dazu Zugänge und Stirnseitenschutz. Die Materialliste nach Wandgröße liefert Vergleichswerte. Dann die Prüfungen einplanen: Prüfung durch eine zur Prüfung befähigte Person nach Fertigstellung und vor Übergabe, Inaugenscheinnahme durch den Nutzer vor der Verwendung, und Kennzeichnung mit Gerüstersteller, Bauart, Last- und Breitenklasse und Datum der letzten Prüfung (BG BAU B 113). Die Checkliste für die Gerüstprüfung geht diese Punkte im Einzelnen durch. ScaFix macht aus den Wandmaßen aus Schritt 1 oder einem PDF-Plan ein 3D-Fassadengerüst mit Feldern, Lagen und Materialliste zum Abgleich mit der Anleitung, ersetzt aber weder Ankerraster noch Standsicherheitsnachweis.

Dies ist Planungsinformation und kein Standsicherheitsnachweis. Maßgeblich sind die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers, die Zulassung, TRBS 2121 und die Regeln der BG BAU; vor der Übergabe prüft eine zur Prüfung befähigte Person das Gerüst.

Häufige Fragen

Wie hoch ist eine Gerüstlage?

Bei den meisten Fassadengerüsten 2,00 m, weil die Rahmen so hoch sind, etwa beim Layher Blitz. Mit Ausgleichsrahmen von 1,50, 1,00 oder 0,50 m lässt sich die Höhe anpassen, die Lage direkt darunter ist dann aber keine Arbeitsebene.

Wie weit darf das Gerüst von der Fassade entfernt sein?

Der horizontale Abstand zwischen Belag und Bauwerk darf höchstens 0,30 m betragen. Ist er größer, braucht die Innenseite Seitenschutz oder der Abstand wird mit Konsolen verringert.

Wie hoch muss der Seitenschutz am Gerüst sein?

Die Oberkante muss laut DGUV Information 201-023 mindestens 1,00 m über der Arbeitsfläche liegen, mit höchstens 0,47 m zwischen den Holmen und einem Bordbrett von 0,15 m.

Wie viele Zugänge braucht ein Fassadengerüst?

Mindestens einen Zugang je 50 m Gerüstlänge nach TRBS 2121-1, 4.3.2. Innenleitern sind laut DGUV Information 201-011 nur bis 5 m Aufstiegshöhe und nur dann zulässig, wenn Treppen oder Aufzüge nicht einsetzbar sind.

Brauche ich für ein Fassadengerüst eine Statik?

Nicht, wenn es als Regelausführung nach Zulassung und Aufbau- und Verwendungsanleitung gebaut wird. Bei Abweichungen, etwa zusätzlicher Bekleidung, größerer Höhe oder Überbrückungen, ist ein Standsicherheitsnachweis nötig.

Quellen

Die Primärquellen dieses Artikels, jeweils mit dem Datum, an dem sie gelesen wurden.