Ratgeber
Gerüst aufbauen: die Reihenfolge nach Aufbau- und Verwendungsanleitung
Ein Fassadengerüst wird nicht nach Gefühl aufgebaut, sondern nach der Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers und einer Montageanweisung. Dieser Ratgeber zeigt die Aufbaufolge am Beispiel des Layher Blitz Gerüsts und die Regeln aus TRBS 2121 Teil 1 und DGUV Information 201-011.
Von Ole Emil Frikstad Urstad · So werden die Zahlen berechnet ·

Wie baut man ein Gerüst richtig auf?
Ein Gerüst baut man so auf: Tragfähigkeit des Untergrunds prüfen, lastverteilende Unterlagen und Fußspindeln setzen, am höchsten Punkt beginnen. Die erste Lage waagerecht und lotrecht ausrichten, Diagonalen einbauen, Lage für Lage weiterbauen und Verankerungen fortlaufend setzen. Seitenschutz und Bordbretter komplettieren, Zugang herstellen, prüfen und kennzeichnen. Abgebaut wird in umgekehrter Reihenfolge.
Wer darf ein Gerüst aufbauen?
In Betrieben regelt das die TRBS 2121 Teil 1 (Ausgabe Januar 2019, GMBl 2019 S. 29). Nach Nummer 4.2.8 dürfen Gerüste nur von Beschäftigten auf-, um- oder abgebaut werden, die dafür fachlich geeignet sind und eine angemessene Unterweisung erhalten haben, unter anderem zur Montageanweisung, zur Absturzsicherung, zum Wetter und zu den zulässigen Lasten. Der Arbeitgeber beauftragt eine fachkundige Person mit der Aufsicht über die Arbeiten (4.2.7), und nach 4.3.4 hat der Auf-, Um- und Abbau grundsätzlich durch einen Gerüstersteller zu erfolgen.
Die DGUV Information 201-011 beschreibt in Abschnitt 4 dieselbe Rolle aus Sicht des Gerüsterstellers: Er ist verantwortlich für den sicheren Auf-, Um- und Abbau, für Lagerung und Transport der Bauteile und für die Prüfung nach der Montage. Für ein Alu-Rollgerüst gelten andere Regeln; sie stehen im Ratgeber Rollgerüst sicher benutzen.
Aufbaufolge eines Rahmengerüsts in zehn Schritten
Die Schritte folgen der Aufbaufolge der Layher Blitz AuV. Für jedes andere System gilt dessen eigene Anleitung.
1. Am höchsten Punkt beginnen
Untergrund auf Tragfähigkeit prüfen, Geländer auslegen, lastverteilende Unterlagen an den Aufstandspunkten platzieren und die Fußspindeln am höchsten Punkt der Aufstellfläche daraufstellen.
2. Anfangsriegel im Aufstiegsfeld
U-Anfangsriegel im Aufstiegsfeld auf die Fußspindeln stecken und einen Boden als Aufstandsfläche für die Leiter einlegen.
3. Erste Stellrahmen aufstecken
Die ersten beiden Stellrahmen auf die Fußspindeln stecken, mit Geländern verbinden und den ersten Rahmen lotrecht ausrichten.
4. Ausspindeln und Belag einhängen
Die Spindeln herausdrehen, bis der Geländerholm waagerecht liegt, ohne die maximale Auszugslänge zu überschreiten, und dann den Belag in die U-Profile einhängen.
5. Diagonale einbauen
Die Diagonale in die Aussparung des Knotenblechs schieben, den Rahmen lotrecht ausrichten und festkeilen; einer Diagonale dürfen höchstens fünf Gerüstfelder zugeordnet werden.
6. Gelände ausgleichen
Bei stark geneigtem Gelände Ausgleichsstellrahmen einsetzen, je Rahmenebene höchstens einen, und das Ankerraster dann um eine Lage nach unten verschieben. Die Horizontalstrebe im Aussteifungsfeld einbauen.
7. Erste Lage fertigstellen
Weitere Stellrahmen anschließen, in mindestens jedem zweiten Feld Blitz-Geländer einbauen, mit der Wasserwaage nachprüfen und nachspindeln und im Aufstiegsfeld den Durchstiegsboden einhängen.
8. Weitere Lagen mit Absturzsicherung
Die nächsten Lagen mit Montagesicherungsgeländer oder vorlaufendem Seitenschutz montieren und Material im Transportfeld hinter zweiteiligem Seitenschutz weitergeben.
9. Verankern und Seitenschutz schließen
Verankerungen fortlaufend nach dem Ankerraster der AuV setzen, Vertikaldiagonalen mitführen, oben Geländerholm und Stirngeländer einbauen und Bordbretter einhängen.
10. Prüfen und kennzeichnen
Gerüst durch eine befähigte Person prüfen lassen, das Ergebnis dokumentieren und die Kennzeichnung am Zugang anbringen, bevor andere Gewerke es benutzen.
Was ist die Montageanweisung, und was die Aufbauanleitung?
Zwei verschiedene Papiere, die oft verwechselt werden. Die Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV) schreibt der Hersteller für sein System; sie enthält die Regelausführung, also alles, was ohne gesonderten Standsicherheitsnachweis gebaut werden darf. Die Montageanweisung ist der Plan für den Auf-, Um- und Abbau eines bestimmten Gerüsts an einem bestimmten Gebäude. Nach TRBS 4.1.2 und DGUV 4.2.3 erstellt der Gerüstersteller sie oder lässt sie je nach Komplexität von einer fachkundigen Person erstellen. Sie nennt die aufsichtführende Person und den Zeitpunkt der Prüfung und muss am Verwendungsort vorliegen.
Für einfache Fassadengerüste in Regelausführung kann die AuV die Grundlage der Montageanweisung sein. Weicht das Gerüst davon ab, etwa durch Überbrückungen, Konsolen mit Abstrebung oder eine Plane, braucht es einen Standsicherheitsnachweis. Layher stellt seine Anleitungen zusammen mit Zulassungen und Typenstatiken im Kundenportal myLayher bereit (Layher Downloads); die folgenden Angaben stammen aus der Blitz-AuV, Ausgabe 02.2024.

Worauf muss das Gerüst stehen?
Auf einem ausreichend tragfähigen Untergrund, und nach DGUV 4.5 immer auf Fußplatten oder Fußspindeln mit lastverteilenden Unterlagen. Mauersteine und ähnliche Baustoffe sind als Unterlage ungeeignet. Die Blitz-AuV verlangt, dass Fußplatten und Fußspindeln vollflächig auf der lastverteilenden Unterlage aufliegen, und warnt ausdrücklich: Ein einseitig aufgesetzter Fuß kann zu Überbeanspruchungen führen.
Die Spindel darf nicht beliebig weit herausgedreht werden. In der Regelausführung nennt die Anleitung für die Fußspindel 40 höchstens 25 cm Ausspindelung, für die Fußspindel 60 und die schwenkbare Fußspindel 60 höchstens 41,5 cm; größere Auszüge bei den Spindeln 80 und 150 brauchen einen Nachweis im Einzelfall. Bei geneigter Aufstellfläche kommen schwenkbare Spindeln oder keilförmige, gegen Gleiten gesicherte Unterlagen zum Einsatz.
Wie sichern sich die Monteure gegen Absturz?
Zuerst technisch, dann persönlich. TRBS 4.2.1 verlangt Schutz gegen Absturz bei allen Montagearbeiten; er entfällt nur, wenn der waagerechte Abstand zu einer festen, ausreichend großen Fläche des Bauwerks nicht mehr als 0,30 m beträgt. Vor dem senkrechten Handtransport muss mindestens ein zweiteiliger Seitenschutz aus Geländer und Zwischenholm vorhanden sein, in der obersten Lage beim waagerechten Transport mindestens ein einteiliger Seitenschutz oder ein Montagesicherungsgeländer (4.2.2). Erst wenn das nicht geht, sind Auffangeinrichtungen zu verwenden (4.2.3).
Die DGUV 201-011 nennt als technische Lösungen systemintegrierte Bauteile, das Montagesicherungsgeländer (MSG) oder den bereits eingebauten Seitenschutz (4.7.1). Muss doch eine persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz verwendet werden, sollen die Anschlagpunkte grundsätzlich oberhalb der Beschäftigten liegen, bei längenorientierten Gerüsten mindestens 1 m über der Standfläche, und dazu gehört ein Helm mit Kinnriemen nach DIN EN 397 (4.7.3). Das Layher-MSG besteht nach der Blitz-AuV aus Montagepfosten und teleskopierbarem Geländer, und der Montagepfosten lässt sich von oben oder von unten montieren. Wie wichtig der Vorrang ist, zeigt eine Zahl aus derselben Anleitung: Beim Anschlagen über Kopf braucht man mindestens 5,25 m Freiraum bis zur möglichen Aufprallfläche, in den unteren Lagen ist das kaum zu haben.
Wie kommt das Material nach oben?
Von Hand oder mit Aufzug. In dem Feld, in dem das Material während der Montage senkrecht weitergegeben wird, verlangt die Blitz-AuV einen zweiteiligen vorlaufenden Seitenschutz aus Handlauf und Knieleiste; das deckt sich mit TRBS 4.2.2. Als Zugang sind Treppen, Transportbühnen und Aufzüge nach der Anleitung Leitern grundsätzlich vorzuziehen. Ein Bauaufzug am Gerüst bringt eigene Ankerkräfte und Prüfpflichten mit sich, siehe Bauaufzug am Gerüst.
Dabei gilt eine Montageregel, die man sich merken sollte: Keilkupplungen werden mit einem mindestens 500 g schweren Hammer bis zum Prellschlag festgekeilt, Schraubkupplungen mit mindestens 50 Nm angezogen. Falsch montierte Kupplungen mindern die Standsicherheit.
Wann wird das Gerüst gekennzeichnet und übergeben?
Nach der Fertigstellung und der Prüfung. Die Prüfung macht eine zur Prüfung befähigte Person, das kann auch die fachkundige Person sein, wenn sie die nötigen Kenntnisse hat (DGUV 4.10). Danach wird das Gerüst an gut sichtbarer Stelle, sinnvollerweise am Zugang, gekennzeichnet: Prüfdatum, Gerüstersteller, Gerüstart, Last- und Breitenklasse. Bis dahin bleiben unfertige Bereiche gesperrt. Was die Prüfung umfasst, steht in der Checkliste für die Gerüstprüfung, die Klassen erklärt der Beitrag zu Lastklassen.
Wie wird ein Gerüst abgebaut?
In umgekehrter Reihenfolge der Aufbauschritte, so die Blitz-AuV in Kapitel 22, und mit vorlaufendem Seitenschutz in umgekehrter Folge. Verankerungen werden erst entfernt, wenn die darüberliegenden Lagen vollständig demontiert sind, was DGUV 4.9 als Grundsatz formuliert: fortlaufend mit dem Aufbau einbauen, fortlaufend mit dem Abbau ausbauen. Ankerraster, Ankergrund und Probebelastung erklärt der Ratgeber Gerüstverankerung. Gelöste Bauteile werden sofort ausgebaut, Bauteile dürfen nicht vom Gerüst geworfen werden (DGUV 4.6), und auf Verkehrswegen wird nichts gelagert.
Wer das Gerüst erst planen will, findet Felder, Ecken und Lagen in Fassadengerüst planen. ScaFix stellt den Feldaufbau vorab in 3D dar, damit die Aufbaufolge Feld für Feld durchgegangen werden kann.
Dieser Ratgeber beschreibt die übliche Arbeitsfolge und ersetzt weder die Montageanweisung noch einen Standsicherheitsnachweis. Maßgeblich sind die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers, die TRBS 2121 Teil 1 und die DGUV Information 201-011 der BG BAU; eine zur Prüfung befähigte Person muss das Gerüst vor der Benutzung prüfen.
Häufige Fragen
Darf ich ein Gerüst selbst aufbauen?
Für Arbeiten von Beschäftigten verlangt die TRBS 2121 Teil 1 fachlich geeignete, unterwiesene Monteure unter Aufsicht einer fachkundigen Person. Wer privat ein Leih-Gerüst aufstellt, sollte sich genauso an die Aufbau- und Verwendungsanleitung halten und das Gerüst prüfen lassen.
Wo finde ich eine Gerüst-Aufbauanleitung?
Beim Hersteller oder Vermieter des Systems: Jedes Gerüstsystem hat eine eigene Aufbau- und Verwendungsanleitung, bei Layher etwa im Kundenportal myLayher. Eine Anleitung für ein anderes System gilt nicht.
Wann müssen die Gerüstanker gesetzt werden?
Fortlaufend mit dem Aufbau, nach dem Ankerraster aus der AuV, der Montageanweisung oder der Statik. Beim Abbau bleiben sie, bis die Lagen darüber vollständig demontiert sind.
Wie weit darf die Fußspindel herausgedreht werden?
So weit, wie die Anleitung des Systems erlaubt. Beim Layher Blitz sind es in der Regelausführung 25 cm bei der Fußspindel 40 und 41,5 cm bei der Fußspindel 60.
Braucht man beim Gerüstaufbau einen Gurt?
Nur wenn technische Maßnahmen wie Montagesicherungsgeländer oder Seitenschutz nicht möglich sind. Dann mit Anschlagpunkt über dem Monteur und Helm mit Kinnriemen.
Quellen
Die Primärquellen dieses Artikels, jeweils mit dem Datum, an dem sie gelesen wurden.
- TRBS 2121 Teil 1, Ausgabe Januar 2019, Abschnitt 4 (Schutzmaßnahmen) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- TRBS 2121 Teil 1, Titelseite mit Ausgabe und GMBl-Fundstelle (gelesen am 23. Oktober 2026)
- DGUV Information 201-011, Abschnitt 4: Auf-, Um- und Abbau von Gerüsten (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Layher: Downloads und myLayher (Aufbau- und Verwendungsanleitung Blitz Gerüst, Ausgabe 02.2024, Art.-Nr. 8102.030) (gelesen am 23. Oktober 2026)