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Sicherheit

Rollgerüst sicher benutzen

Rollgerüst, Fahrgerüst, fahrbare Arbeitsbühne: Im Alltag dasselbe, im Regelwerk nicht. Dieser Ratgeber ordnet die Begriffe, nennt die Grenzen aus BG BAU und Herstelleranleitung und zeigt, woran die Prüfung hängt.

Von Ole Emil Frikstad Urstad · So werden die Zahlen berechnet ·

Layher Uni Rollgerüst im 3D-Modell von ScaFix
Layher Uni Rollgerüst, gezeichnet nach der Tabelle des Herstellers.

Wie benutzt man ein Rollgerüst sicher?

Ein Rollgerüst wird nach der Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers mit dem dort verlangten Ballast oder den Auslegern aufgebaut, möglichst mit vorlaufendem Seitenschutz. Vor jeder Benutzung werden alle Fahrrollen gebremst, beim Verfahren steht niemand darauf, und ab Windstärke 6 wird es gesichert. Eine befähigte Person prüft es nach der Montage.

Rollgerüst, Fahrgerüst, fahrbare Arbeitsbühne: was gilt wofür?

Die Unterscheidung ist keine Wortklauberei, sie entscheidet, welche Regeln greifen.

BegriffNormEinordnung
Fahrbare Arbeitsbühne (das typische Alu-Rollgerüst)DIN EN 1004Ein zu montierendes Produkt, dessen Bausatz vollständig nach Gebrauchsanleitung verbaut werden muss
Fahrbares GerüstDIN 4420-3Ein Arbeitsgerüst aus Stahlrohren, Kupplungen, Systembauteilen und Fahrrollen, für das alle Gerüstanforderungen gelten

Die DGUV Information 201-011 (Januar 2023) nimmt fahrbare Arbeitsbühnen nach DIN EN 1004 ausdrücklich aus ihrem Anwendungsbereich heraus und behandelt fahrbare Gerüste in Abschnitt 6.7. Ebenso gilt die TRBS 2121 Teil 1 vom 10. Januar 2019 nicht für fahrbare Arbeitsbühnen, zählt aber fahrbare Gerüste nach DIN 4420-3 zu den Arbeitsgerüsten. Für die Arbeitsbühne ist deshalb die Anleitung des Herstellers das zentrale Dokument, ergänzt durch den Baustein B 112 «Fahrbare Arbeitsbühnen» der BG BAU (07/2021). B 112 stellt klar: Wer aus Gerüstbauteilen ein fahrbares Gerüst zusammensetzt, hat keine fahrbare Arbeitsbühne, und deren Brauchbarkeit muss eigens nachgewiesen werden.

Wie hoch darf ein Rollgerüst werden, und welche Lastklasse braucht es?

Die Belaghöhe richtet sich nach der Anleitung und beträgt laut B 112 in Gebäuden höchstens 12,00 m, außerhalb höchstens 8,00 m. Eine Absturzgefahr liegt schon ab 1,00 m Absturzhöhe vor. Das Prüfprotokoll der BG BAU fragt die Gerüstgruppe ab: 2 mit 1,5 kN/m², 3 mit 2,0 kN/m² oder 4 mit 3,0 kN/m², dazu die höchstzulässige Standhöhe innen und außen getrennt. Die Ausgabe EN 1004-1:2020 gilt nach Angaben der britischen Herstellervereinigung PASMA erstmals ab Bodenhöhe statt ab 2,5 m, begrenzt den Abstand zwischen den Belagebenen auf 2,25 m und verlangt Belagsicherungen an beiden Enden. Für Material auf dem Belag hilft der Ratgeber zu den Lastklassen.

Layher Uni Rollgerüst im höchsten Aufbau der Herstellertabelle, im 3D-Modell von ScaFix
Der höchste Layher Uni-Aufbau, den die Tabelle anbietet.

Ballast und Ausleger: wie viel ist nötig?

Genau so viel, wie die Tabelle der Anleitung für Höhe, Aufstellung und Ort verlangt. Wie stark das schwankt, zeigt eine ältere, noch auf DIN EN 1004:2005 bezogene Aufbau- und Verwendungsanleitung des Layher Uni Standard. Bei 6,5 m Standhöhe, mittig aufgebaut, braucht dieses Gerüst in geschlossenen Räumen keinen Ballast, im Freien dagegen 15 Ballastgewichte zu je 10 kg auf jeder Seite, also 300 kg. Ab 8,6 m Standhöhe ist der mittige Aufbau im Freien gar nicht mehr zulässig, innen geht es bis 11,6 m. Seitlich an einer Wand aufgestellt verschieben sich die Gewichte auf die wandabgewandte Seite.

Weitere Vorgaben aus derselben Anleitung und der DGUV:

  • Nur die Ballastgewichte des Herstellers verwenden und gleichmäßig auf die Befestigungspunkte verteilen; flüssige oder körnige Stoffe sind ungeeignet. DGUV 201-011 verlangt feste Baustoffe wie Stahl oder Beton.
  • Ein verstellbarer Fahrbalken muss voll ausgezogen sein, wenn die Tabelle mit ihm rechnet.
  • Die Lotabweichung darf höchstens 1 % betragen.
  • Hebezeuge, Überbrückungen zum Gebäude und das Arbeiten auf zwei Ebenen gleichzeitig sind ohne Freigabe des Herstellers verboten.

Ab welcher Windstärke muss ein Rollgerüst gesichert werden?

Layher schreibt für Uni Standard: Im Freien oder in offenen Gebäuden wird das Gerüst bei Windstärken über 6 nach Beaufort und bei Schichtschluss in einen windgeschützten Bereich verfahren oder anders gegen Umkippen gesichert. Windstärke 6 erkenne man an der spürbaren Hemmung beim Gehen. Nach dem Deutschen Wetterdienst entspricht Beaufort 6 «starkem Wind» mit 10,8 bis 13,8 m/s (39 bis 49 km/h). Unbeaufsichtigte Gerüste sollen verankert werden; wie Anker in der Wand ausgelegt und geprüft werden, erklärt der Ratgeber Gerüstverankerung. B 112 verlangt, fahrbare Arbeitsbühnen bei aufkommendem Sturm und nach Arbeitsende gegen Umsturz zu sichern. Gefährlich sind zusätzliche Windlasten durch den Tunneleffekt in Durchgangsgebäuden, an unverkleideten Gebäuden und an Gebäudeecken.

Wie baut man ohne Absturzgefahr auf?

B 112 bevorzugt Aufbauvarianten mit technischem Schutz: den vorlaufenden, systemintegrierten Seitenschutz oder ein Montagesicherungsgeländer (MSG). Der Seitenschutz ist dann schon da, bevor die nächste Belagebene betreten wird. Beim Fassadengerüst läuft das anders, Lage für Lage mit Verankerung; siehe Gerüst aufbauen. Auf- und Abbau nur unter Aufsicht einer fachkundigen Person und mit Beschäftigten, die anhand der Betriebsanweisung und der Anleitung unterwiesen sind. Der Aufstieg liegt innen, Treppen sind Leitern vorzuziehen, und jede Arbeitsebene braucht dreiteiligen Seitenschutz. Bei Layher ist die Montage mit persönlicher Schutzausrüstung erst ab 5,75 m Standhöhe möglich, weil der Karabiner mindestens 1,0 m über der ungesicherten Lage hängen muss. Wie die Teile je Höhe aussehen, zeigt die Seite zum Layher Uni.

Was gilt beim Verfahren?

Laut B 112: nur langsam, auf ebenem, tragfähigem und hindernisfreiem Untergrund, nur in Längsrichtung oder über Eck, ohne Anprall. Vor dem Verfahren lose Teile gegen Herabfallen sichern, während der Fahrt hält sich niemand auf dem Gerüst auf. Layher begrenzt auf normale Schrittgeschwindigkeit; mit einseitiger Verbreiterung und Wandabstützung nur parallel zur Wand. Danach werden die Lenkrollen durch Niederdrücken des Bremshebels festgesetzt, vor jeder Benutzung.

Wer prüft das Rollgerüst, und wie oft?

Nach der Montage und vor der Verwendung prüft eine «zur Prüfung befähigte Person für fahrbare Arbeitsbühnen», vor Arbeitsaufnahme folgt eine Inaugenscheinnahme durch eine fachkundige Person, vor allem von Seitenschutz und Ballast (B 112). Das BG-BAU-Prüfprotokoll fragt unter anderem ab, ob die Anleitung vor Ort war, ob alle vier Fahrrollen eine Feststellbremse haben und ob Fahrbalken, Ausleger und Ballast zur Standhöhe passen. Unten steht: Gerüst arbeitstäglich und nach jedem Ortswechsel auf Betriebssicherheit prüfen; die Kennzeichnung erst anbringen, wenn keine Mängel vorhanden sind. Mehr dazu in der Checkliste für die Gerüstprüfung.

Die Rollgerüst-Seiten von ScaFix zeigen für jede Standhöhe Bauteile, Ausleger und Ballast so, wie die Herstellertabelle sie angibt.

Dies ist eine Planungshilfe, kein Standsicherheitsnachweis. Maßgeblich sind die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers, der Baustein B 112 der BG BAU und die Betriebssicherheitsverordnung; vor der Verwendung prüft eine befähigte Person das Rollgerüst.

Häufige Fragen

Wie hoch darf ein Rollgerüst im Freien sein?

Höchstens 8,00 m Belaghöhe, in Gebäuden 12,00 m, wobei die Anleitung des Herstellers oft eine niedrigere Grenze für außen setzt. Maßgeblich ist die Tabelle für das konkrete Modell.

Darf man auf dem Rollgerüst stehen, während es verfahren wird?

Nein. Der Aufenthalt von Personen während des Verfahrens ist nach B 112 nicht zulässig, und lose Teile müssen vorher gesichert werden.

Braucht ein Rollgerüst Ballast?

Das hängt von Höhe, Aufstellung und Einsatzort ab. Im Freien verlangen die Tabellen meist deutlich mehr Gewicht als in Hallen, und es dürfen nur die Gewichte des Herstellers verwendet werden.

Wer darf ein Rollgerüst aufbauen?

Fachlich geeignete, unterwiesene Beschäftigte unter Aufsicht einer fachkundigen Person. Die Prüfung nach dem Aufbau übernimmt eine dazu befähigte Person.

Ist ein Fahrgerüst dasselbe wie ein Rollgerüst?

Umgangssprachlich ja. Im Regelwerk ist das Alu-Rollgerüst eine fahrbare Arbeitsbühne nach DIN EN 1004, ein fahrbares Gerüst nach DIN 4420-3 dagegen ein Gerüst mit Rollen.

Quellen

Die Primärquellen dieses Artikels, jeweils mit dem Datum, an dem sie gelesen wurden.