Software
Gerüstbau-App für die Baustelle
Auf der Gerüstbaustelle soll das Handy aufmessen, das geplante Gerüst zeigen, die Prüfung dokumentieren und die Stunden erfassen. Welche Apps das heute können, wo ihre Grenzen liegen und was der Datenschutz dazu sagt.
Von Ole Emil Frikstad Urstad · So werden die Zahlen berechnet ·

Was kann eine Gerüstbau-App auf der Baustelle?
Gerüstbau-Apps erfassen das Aufmaß per Handy, teils per LiDAR, zeigen das Gerüst in 3D, erstellen Materiallisten und dokumentieren Prüfungen. Beispiele: HERO und SCAFFOLD OS für Aufmaß bis Rechnung, Avontus Viewer und die Layher-App für 3D, SMART Inspector für Prüfungen, ScaFix (iPhone und Browser) für Planung und Materialliste. Vor der Einführung Offline-Betrieb, Datenexport und Datenschutz klären.
Wofür nutzen Gerüstbauer Apps?
Die Apps auf dem Markt kommen aus zwei Richtungen: aus der Büro- und ERP-Software, die ein mobiles Aufmaß anhängt, und aus der Planungssoftware, die ihr 3D-Modell auf die Baustelle bringt. Was die Anbieter am 23. Oktober 2026 auf ihren eigenen Seiten angaben:
| Aufgabe | App | Was der Anbieter angibt |
|---|---|---|
| Aufmaß und Zeiterfassung | HERO App | Aufmaß und Zeiten erfasst das Team mobil, Daten in der Cloud |
| Aufmaß bis Rechnung | SCAFFOLD OS | Aufmaß per Handy im Browser, mit Fotos, Drohne und Punktwolke; Angebot mit QR-Code und Unterschrift |
| Zeiterfassung | CP-Pro Mobile | Zeiterfassung als Teil von CP-Pro Gerüstbau Office |
| 3D zur Preisliste | Layher-App | zeigt zusätzliche 3D-Ansichten, wenn markierte Bilder in Layher-Preislisten mit der Kamera gescannt werden; nur für iPhone |
| 3D und AR | Layher SIM2Field XR | nutzt das LayPLAN-Modell für AR und als Montagehilfe |
| 3D-Ansicht | Avontus Viewer | 3D auf iPhone, Android, Tablet und Windows; für VR und AR ist laut Seite Avontus Viewer Lens nötig |
Wie genau ist das Aufmaß per Handy?
Für die Abrechnung nach ATV DIN 18451 zählen die Maße an der Außenseite des Gerüsts, nicht an der Wand. Das Handy liefert deshalb nur die Ausgangswerte: Wandlängen, Trauf- und Firsthöhen, Vorsprünge und Geländesprünge. Den Rest rechnet das Büro oder die App aus Gerüstbreite und Wandabstand dazu.
Drei Wege sind verbreitet. Die einfache Variante ist die Eingabe von Länge und Höhe in eine Aufmaß-App, wie sie HERO für die Gerüstfläche anbietet. SCAFFOLD OS nennt daneben Fotos, Drohne und Punktwolke. Und ein iPhone mit LiDAR-Sensor, laut Apple unter anderem beim iPhone 12 Pro und iPhone 15 Pro, erfasst Flächen direkt; Apples RoomPlan erzeugt damit 3D-Grundrisse von Räumen, Polycam Grundrisse noch vor Ort. Für die Fassade gilt: Was über der Dachrinne liegt, sieht der Sensor vom Boden aus schlecht. Traufe und First deshalb mit dem Laser kontrollieren, bevor Material disponiert wird. Wie die abrechenbare Fläche entsteht, steht unter Gerüstfläche berechnen.

Wie kommt das Aufmaß von der Baustelle ins Angebot?
Ein Aufmaß, das auf dem Handy erfasst und im Büro abgetippt wird, ist doppelte Arbeit und eine Fehlerquelle. Sinnvoll ist eine App, die ihre Maße direkt in Kalkulation und Abrechnung übergibt. Dabei zählen die Regeln der ATV DIN 18451: abgerechnet werden laut Bauprofessor die technisch erforderlichen Maße an den Außenseiten der Gerüstkonstruktion, getrennt nach Bauart und Verwendungszweck, und die Gebrauchsüberlassung an andere Unternehmer wird getrennt je angefangene Woche berechnet. Eine Baustellen-App sollte deshalb nicht nur Längen und Höhen erfassen, sondern auch:
- das Datum der Fertigstellung und der Freigabe, weil daran die Vorhaltezeit hängt,
- jede Übergabe an ein anderes Gewerk mit Datum, für die Gebrauchsüberlassung,
- Umbauten mit Fotos, damit der Nachtrag belegt ist,
- den Abbautermin, damit die Standzeit sauber endet.
SCAFFOLD OS führt das Aufmaß bis zur Rechnung in einem System, HERO verbindet mobiles Aufmaß mit Angebot und Rechnung, CP-Pro koppelt die Zeiterfassung an sein Büropaket. Wer Planung und Abrechnung in getrennten Programmen hat, sollte prüfen, ob sich die Mengen ohne Abtippen übertragen lassen.
Kann die App Prüfprotokoll und Kennzeichnung ersetzen?
Sie kann sie digital führen, aber nicht ersetzen. Die DGUV Information 201-011 verlangt in Abschnitt 4.10, das Gerüst nach Fertigstellung und Prüfung an gut sichtbarer Stelle zu kennzeichnen, mit Ersteller, Bauart, Last- und Breitenklasse, Nutzungsbeschränkungen und Prüfdatum. Prüfprotokoll, Kennzeichnung und der Plan für den Gebrauch dürfen in einem Dokument zusammengefasst werden. Genau das kann eine App erzeugen: Protokoll ausfüllen, Fotos von Mängeln anhängen, Kennzeichnung als PDF ausdrucken und am Zugang anbringen.
Das Schild am Gerüst bleibt Pflicht, denn der Nutzer des Gerüsts muss vor Ort sehen, ob er es betreten darf. Ein QR-Code darauf kann zur digitalen Historie führen. Welche Punkte die Prüfung umfasst, steht in der Checkliste für die Gerüstprüfung.
Was ist mit Funklöchern auf der Baustelle?
Im Keller eines Altbaus oder hinter einer Stahlbetonwand bricht das Netz oft weg, und genau dort wird geprüft. Keine der oben genannten Anbieterseiten machte am 23. Oktober 2026 eine klare Aussage zum Offline-Betrieb. Fragen Sie den Anbieter schriftlich, ob ein Prüfprotokoll ohne Verbindung gespeichert und später mit Zeitstempel synchronisiert wird, und lassen Sie sich das in der Testphase auf einer echten Baustelle zeigen.
Was sagt der Datenschutz zu Fotos und Standorten?
Baustellen-Apps speichern Namen, Unterschriften, Fotos und oft Zeitstempel mit Standort. Ein eigenes Beschäftigtendatenschutzgesetz gibt es laut BfDI derzeit nicht. § 26 BDSG wurde auf Grundlage der Öffnungsklausel in Art. 88 DSGVO erlassen, gilt dem BfDI aber nach dem Urteil des EuGH vom 30. März 2023 (C-34/21) als zu unbestimmt; in der Praxis stützt man sich deshalb oft direkt auf Art. 6 DSGVO. Eine Einwilligung muss informiert und wirklich freiwillig sein, was im Arbeitsverhältnis schwer ist, und Fotos von Beschäftigten dürfen etwa im Intranet nur mit deren Einwilligung veröffentlicht werden. Für Mängelfotos heißt das: Gerüst fotografieren, nicht die Kolonne.
Klären Sie vor der Einführung, wo der Server steht (SCAFFOLD OS nennt Hosting in Frankfurt), wer welche Daten sieht, wie lange sie gespeichert werden und ob Zeiterfassung mit Standort eine Betriebsvereinbarung braucht, wenn es einen Betriebsrat gibt.
Woran erkennen Sie eine gute Gerüstbau-App?
- Passt sie zur ATV? Ein Aufmaß, das an der Wand statt an der Gerüstaußenseite misst, erzeugt bei jeder Rechnung Diskussionen.
- Kennt sie die Kennzeichnung? Das Prüfprotokoll sollte die Angaben aus Abschnitt 4.10 der DGUV Information 201-011 als Pflichtfelder haben.
- Läuft sie bei der Kolonne? Gemischte Teams mit Android und iPhone brauchen eine Browserlösung oder Apps für beide.
- Geht das Aufmaß ohne Abtippen ins Angebot? Sonst spart die App auf der Baustelle Zeit und kostet sie im Büro wieder.
- Ist der Datenschutz geklärt? Serverstandort, Löschfristen und gegebenenfalls eine Betriebsvereinbarung vor dem Start, nicht danach.
Einen Überblick über die Planungsprogramme gibt der Gerüstbau-Software-Vergleich (unser Vergleich; wir entwickeln ScaFix). ScaFix gehört zur Planungsseite: Die Web-App läuft in jedem Browser auf PC, Mac und Android, die iPhone-App scannt zusätzlich mit LiDAR auf Geräten mit dem Sensor, und beide nutzen dasselbe Konto, sodass ein auf der Baustelle erfasstes Gerüst im Büro mit 3D-Modell und Materialliste für eines von 76 Gerüstsystemen weiterläuft; Prüfprotokolle führt ScaFix nicht.
Eine App dokumentiert, sie macht kein Gerüst sicher. Maßgeblich sind die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers, TRBS 2121 und DGUV Information 201-011; eine befähigte Person prüft das Gerüst vor der Benutzung und nach jeder Änderung, mit oder ohne App.
Häufige Fragen
Gibt es eine App für das Gerüst-Prüfprotokoll?
Mehrere Büroprogramme bieten mobile Erfassung, und internationale Anbieter wie SMART Inspector führen Prüfungen auf dem Handy. Achten Sie darauf, dass Protokoll und Kennzeichnung die Angaben aus DGUV Information 201-011, Abschnitt 4.10, enthalten.
Kann man ein Gerüst mit dem iPhone aufmessen?
Mit einem iPhone mit LiDAR-Sensor lässt sich die Fassade scannen. Hohe Traufen, Firste und verdeckte Bauteile sollten Sie trotzdem mit dem Laser nachmessen, bevor Material bestellt wird.
Ersetzt ein QR-Code die Gerüstkennzeichnung?
Nein. Das Gerüst muss nach DGUV Information 201-011 gut sichtbar gekennzeichnet sein; ein QR-Code auf dem Schild kann zusätzlich zur digitalen Prüfhistorie führen.
Darf die App den Standort der Mitarbeiter speichern?
Nur mit klarer Rechtsgrundlage (Art. 6 DSGVO, § 26 BDSG) und Information der Beschäftigten. Klären Sie Zweck, Speicherdauer und Zugriff vorab, gegebenenfalls mit dem Betriebsrat.
Quellen
Die Primärquellen dieses Artikels, jeweils mit dem Datum, an dem sie gelesen wurden.
- HERO Software: Anwendungen (gelesen am 23. Oktober 2026)
- SCAFFOLD OS (gelesen am 23. Oktober 2026)
- CP-Pro Solutions (gelesen am 23. Oktober 2026)
- App Store: Layher (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Layher: LayPLAN Suite und SIM2Field XR (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Avontus Viewer (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Apple: iPhone 12 Pro, technische Daten (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Apple: iPhone 15 Pro, technische Daten (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Apple Developer: RoomPlan (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Polycam (gelesen am 23. Oktober 2026)
- DGUV Information 201-011, Abschnitt 4 (BGN Branchenwissen) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Bauprofessor: Gerüste (Abrechnung nach ATV DIN 18451) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- BfDI: Beschäftigtendatenschutz (gelesen am 23. Oktober 2026)