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BIM im Gerüstbau: was es in der Praxis bedeutet
Bei einem BIM-Projekt ist das Gerüst oft das einzige Bauteil, das niemand modelliert hat. Spätestens wenn der Bund als Bauherr auftritt, fragt der Generalunternehmer trotzdem nach einem Gerüstmodell. Dieser Ratgeber zeigt, woher die Anforderung kommt, welche Formate gemeint sind und welche Programme sie erfüllen.
Von Ole Emil Frikstad Urstad · So werden die Zahlen berechnet ·

Was bedeutet BIM für den Gerüstbauer?
Für den Gerüstbauer heißt BIM meist: das Gebäude als IFC-Modell erhalten, das Gerüst darin planen und ein Gerüstmodell zurückgeben, mit dem der Auftraggeber Kollisionen, Baustelleneinrichtung und Bauablauf prüft. Im Hochbau des Bundes ist BIM nach dem Masterplan seit Ende 2022 Pflicht. Was zu liefern ist, regeln die Auftraggeber-Informationsanforderungen; der Detaillierungsgrad wird je Projekt vereinbart.
Gibt es eine BIM-Pflicht für Bundesbauten?
Ja, im Hochbau des Bundes mit einem festen Stufenplan. Der Masterplan BIM für Bundesbauten, herausgegeben vom damaligen Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und vom Bundesministerium der Verteidigung (Stand September 2021), führt BIM in drei Levels verbindlich ein (Masterplan BIM für Bundesbauten):
| Level | Ab wann verbindlich | Inhalt |
|---|---|---|
| Level I | Ende 2022, für alle neu zu planenden Baumaßnahmen oberhalb der Bagatellgrenze | Neun Anwendungsfälle, vor allem Projektvorbereitung und Planung |
| Level II | 2023 für sehr große Baumaßnahmen, ab 2025 für alle | Fünf weitere Anwendungsfälle zu Ausschreibung, Vergabe und Bauausführung |
| Level III | Ab 2025 bei sehr großen Baumaßnahmen eingeführt, ab 2027 für alle | Vier weitere, u. a. Genehmigung und Logistikplanung |
Für den Gerüstbau ist ein Anwendungsfall besonders interessant: AwF 130 Logistikplanung, die zeitliche Planung und Kommunikation der Baustellenlogistik anhand von BIM-Modellen, ausdrücklich mit Baustelleneinrichtung, Baustofftransporten, temporären Baustraßen und Kränen. Ein Fassadengerüst ist Teil dieser Baustelleneinrichtung. Außerdem verfolgt der Bundesbau ausdrücklich offene, nicht proprietäre Formate wie IFC und BCF.
Im Straßenbau gilt ein eigener Plan. Das Bundesministerium für Verkehr schreibt zum Masterplan BIM Bundesfernstraßen, dass BIM ab 2026 als Regelprozess in den Auftragsverwaltungen der Länder, bei der DEGES und bei der Autobahn GmbH vorgesehen ist (BMV, Masterplan BIM Bundesfernstraßen). Das betrifft Gerüste an Brücken und Ingenieurbauwerken.
Wie kommt die Anforderung beim Gerüstbauer an?
Über zwei Dokumente, die der Masterplan im Glossar erklärt. In den Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) beschreibt der Bauherr seine BIM-Ziele, die Anwendungsfälle und die geforderten Daten. Im BIM-Abwicklungsplan (BAP) beschreibt der Auftragnehmer, wie er das umsetzt, gewissermaßen als BIM-Pflichtenheft. Gespeichert wird in einer gemeinsamen Datenumgebung, der maßgeblichen Informationsquelle des Projekts.
Hinter beiden Begriffen steht die Normenreihe DIN EN ISO 19650. Teil 2, für die Planungs-, Bau- und Inbetriebnahmephase, ist als DIN EN ISO 19650-2:2019-08 erschienen (DIN Media) und beschreibt die Informationsanforderungen und den Abwicklungsplan, die im deutschen Sprachgebrauch AIA und BAP heißen; in der europäischen Fassung lauten die Kürzel EIR und BEP, und die Leitlinie CEN/TR 17654 erläutert genau diese beiden Dokumente auf Grundlage von EN ISO 19650-1 und -2 (DIN Media, CEN/TR 17654). Wie fein die Angaben sein müssen, regelt DIN EN ISO 7817-1:2024-11 mit dem Begriff Informationsbedarfstiefe; sie ersetzt DIN EN 17412-1:2021-06 (DIN Media, DIN EN ISO 7817-1). Als deutsche Richtlinie ergänzt die Reihe VDI 2552 die Normen und vertritt den nationalen Standpunkt in der internationalen BIM-Normung (VDI 2552).
Für den Gerüstbauer als Nachunternehmer heißt das praktisch: Er bekommt einen Auszug aus AIA und BAP, in dem steht, ob ein Gerüstmodell gefordert ist, in welchem Format, mit welchem Inhalt und bis wann. Steht dort nichts zum Gerüst, sollte das vor der Angebotsabgabe geklärt werden, denn ein Modell kostet Zeit.

Was sind IFC und BCF?
IFC, die Industry Foundation Classes, ist das herstellerneutrale Datenmodell von buildingSMART für den Austausch von Bauwerksinformationen zwischen Programmen (buildingSMART). Die aktuelle Fassung IFC 4.3 hat ISO als endgültigen Standard bestätigt; sie ist als ISO 16739-1:2024 erschienen (buildingSMART). IFC 4.3 erweitert das Schema um Infrastruktur: Straße, Schiene, Brücken sowie Häfen und Wasserstraßen.
BCF, das BIM Collaboration Format, ist laut Masterplan ein herstellerneutrales Format für den Austausch von Koordinationsnachrichten zwischen BIM-Programmen. Es transportiert also nicht das Modell, sondern die Kommentare: „Konsole kollidiert mit Vordach, Achse C".
Welcher Detaillierungsgrad ist für ein Gerüstmodell sinnvoll?
Der Begriff LOD wird im Deutschen oft als Detaillierungsgrad übersetzt. Die US-amerikanische BIMForum-Spezifikation versteht darunter aber den Level of Development, also wie weit man sich auf Geometrie und Informationen verlassen kann, und weist ausdrücklich auf diesen Unterschied hin (BIMForum LOD Specification 2023). Sie definiert die Stufen 100 bis 400 und 500, letztere für den geprüften Bestand.
Gerüste kommen in der Spezifikation nur als hängende und motorisch betriebene Gerüste vor, und auch das nur, wenn sie Teil des fertigen Bauwerks sind. Ein Fassadengerüst hat dort keinen eigenen Eintrag. Für die Praxis schlagen wir eine einfache Abstufung vor, die in AIA oder BAP vereinbart werden sollte:
- Logistik (etwa LOD 200): Gerüst als Volumen mit Grundfläche, Höhe und Standzeit, genug für Kranplanung und Baustelleneinrichtung.
- Koordination (etwa LOD 300 bis 350): Felder, Lagen, Beläge, Konsolen und Verankerungspunkte an ihrer tatsächlichen Position, genug für die Kollisionsprüfung mit Erkern, Vordächern und Fenstermontage.
- Ausführung (LOD 400): jedes Bauteil wie aufgebaut; sinnvoll nur bei Sondergerüsten mit eigener Statik.
Kollisionsprüfung: womit kollidiert ein Gerüst?
Typische Konflikte sind Balkone, Erker und Vordächer innerhalb der Gerüstflucht, der Schwenkbereich des Turmdrehkrans, Bauaufzüge, die Montage von Fenstern und Fassadenelementen hinter dem Belag sowie Zufahrten und Lagerflächen am Boden.
Die Programme lösen das unterschiedlich. Layhers LayPLAN CAD, ein Plug-in für AutoCAD, nennt visuelle Konfliktprüfungen durch realistische Darstellung, eine Materialliste in Echtzeit und die Übergabe des Strukturmodells an Stabwerksprogramme, etwa über LayPLAN TO RSTAB; das Modell lässt sich außerdem in der App SIM2Field XR in der realen Umgebung zeigen (Layher, LayPLAN CAD). NTI SCAFFPLANNER arbeitet direkt in Autodesk Revit und nutzt dessen IFC- und BCF-Unterstützung (NTI). Avontus Designer importiert IFC-, PDF- und AutoCAD-Pläne und bindet Entwürfe über Autodesk Navisworks in die BIM-Koordination ein (Avontus). Scaffcalc wirbt mit einem Ablauf vom IFC-Import zum fertigen Gerüst im Browser (Scaffcalc).
Welche Gerüstbau-Software kann IFC?
Stand der Herstellerseiten am 23. Oktober 2026. „Keine Angabe“ heißt, dass die Seite nichts dazu sagt, nicht, dass die Funktion fehlt.
| Programm | Läuft in | IFC-Import | IFC-Export | Weitere BIM-Anbindung |
|---|---|---|---|---|
| SMART Estimator | Windows-Desktop (Cloud-Projektserver), dazu ein Revit-Plug-in | Ja | Ja, neben DWG, PDF und HTML (SMART Estimator) | Revit |
| Avontus Designer | Desktop (Betriebssystem nicht genannt) | Ja, neben PDF und AutoCAD | Keine Angabe; exportiert DWG und PDF | Navisworks |
| Scaffcalc | Browser | Ja, vom IFC-Modell zum Gerüst | Keine Angabe | Teilbare 3D-Links |
| NTI SCAFFPLANNER | Autodesk Revit | Über Revit, mit BCF | Über Revit | Arbeitet im BIM-Modell selbst |
| ScaffPlan | SketchUp und Tekla | Keine Angabe | Keine Angabe | Revit angekündigt (ScaffPlan) |
| Layher LayPLAN CAD | AutoCAD-Plug-in | Keine Angabe | Keine Angabe | Strukturmodell an Stabwerksprogramme |
Programme, die in einem BIM-Autorenwerkzeug laufen, übernehmen dessen Austausch; eigenständige Gerüstprogramme lesen IFC meist ein, und nur wenige nennen den Export. Verlangen die AIA ein IFC-Gerüstmodell, lohnt der Blick auf den Export vor der Wahl des Programms. Einen breiteren Überblick gibt Was macht eine Gerüstbau-Software?, einen Vergleich der Programme der Gerüstbau-Software-Vergleich.
Bleibt das Gerüst ein temporäres Bauteil?
Ja, und das ist der wichtigste Punkt. Ein Gerüst im BIM-Modell sieht aus wie jedes andere Objekt, ist aber ein Arbeitsmittel mit eigenen Regeln. Nach TRBS 2121-1 Nr. 4.1 ist die Brauchbarkeit durch Standsicherheitsnachweis und einen Plan für Auf-, Um- und Abbau nachzuweisen. Bei einer allgemein anerkannten Regelausführung, etwa mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung des DIBt, gilt der Standsicherheitsnachweis als erbracht (Nr. 4.1.1); die Montageanweisung bleibt nötig (Nr. 4.1.2) (TRBS 2121-1, Abschnitt 4).
Daraus folgen zwei Dinge für den BIM-Ablauf. Erstens ersetzt ein Koordinationsmodell keinen Nachweis; die Statik liegt beim Gerüstplaner, egal wie detailliert das Modell ist. Zweitens muss das Modell nachgeführt werden, wenn das Gerüst auf der Baustelle umgebaut wird, sonst zeigt die gemeinsame Datenumgebung einen Zustand, den es nicht mehr gibt.
Und ohne eigene BIM-Software?
Auch kleinere Betriebe können mitarbeiten: das IFC-Modell des Architekten in einem Viewer öffnen, Höhen, Vorsprünge und Öffnungen ablesen, das Gerüst planen und als Zeichnung mit Materialliste zurückgeben. Programme, die aus Wandmaßen oder einer PDF-Zeichnung einen Gerüstplan machen, wie ScaFix, decken diesen Weg ab; ScaFix liest und schreibt kein IFC und erstellt keinen Standsicherheitsnachweis.
Das sind Planungsangaben, kein Standsicherheitsnachweis. Maßgeblich sind die Aufbau- und Verwendungsanleitung, die Zulassung des DIBt und die TRBS 2121; vor der Benutzung prüft eine zur Prüfung befähigte Person das Gerüst.
Häufige Fragen
Ist BIM bei Bundesbauten Pflicht?
Ja. Nach dem Masterplan BIM für Bundesbauten gilt Level I seit Ende 2022 für alle neu zu planenden Baumaßnahmen oberhalb der Bagatellgrenze, Level II ab 2025 und Level III ab 2027.
Muss der Gerüstbauer ein IFC-Modell liefern?
Nur wenn AIA oder BIM-Abwicklungsplan es verlangen. Steht dort nichts zum Gerüst, sollte man Format und Inhalt vor dem Angebot klären.
Welche Gerüstbau-Software kann IFC?
Avontus Designer, Scaffcalc und SMART Estimator nennen IFC-Import, SMART auch den Export; NTI SCAFFPLANNER nutzt die IFC-Funktionen von Revit. Für LayPLAN CAD nennt die Produktseite kein IFC.
Welcher LOD für ein Gerüstmodell?
Nach unserer Einschätzung reicht für Logistik etwa LOD 200, für die Kollisionsprüfung braucht es LOD 300 bis 350. Die BIMForum-Spezifikation hat für Fassadengerüste keinen eigenen Eintrag, deshalb wird es im Projekt vereinbart.
Gilt die BIM-Planung auch im Straßenbau?
Ja. Laut Bundesministerium für Verkehr ist BIM ab 2026 Regelprozess bei den Auftragsverwaltungen der Länder, der DEGES und der Autobahn GmbH.
Quellen
Die Primärquellen dieses Artikels, jeweils mit dem Datum, an dem sie gelesen wurden.
- Masterplan BIM für Bundesbauten, Erläuterungsbericht (Stand September 2021) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Bundesministerium für Verkehr: Masterplan BIM Bundesfernstraßen (gelesen am 23. Oktober 2026)
- buildingSMART: Industry Foundation Classes (IFC) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- buildingSMART: IFC 4.3 als ISO 16739-1:2024 bestätigt (gelesen am 23. Oktober 2026)
- BIMForum: Level of Development Specification, Part I (2023) (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Layher: LayPLAN CAD (gelesen am 23. Oktober 2026)
- NTI: NTI SCAFFPLANNER (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Avontus Designer (gelesen am 23. Oktober 2026)
- Scaffcalc (gelesen am 23. Oktober 2026)
- SMART Scaffolder: SMART Estimator (gelesen am 23. Oktober 2026)
- ScaffPlan (gelesen am 23. Oktober 2026)
- DIN Media: DIN EN ISO 19650-2:2019-08 (gelesen am 23. Oktober 2026)
- DIN Media: CEN/TR 17654, Leitlinie zu EIR und BEP nach EN ISO 19650-1 und -2 (gelesen am 23. Oktober 2026)
- DIN Media: DIN EN ISO 7817-1:2024-11, Informationsbedarfstiefe (gelesen am 23. Oktober 2026)
- VDI: Richtlinienreihe VDI 2552 (gelesen am 23. Oktober 2026)
- TRBS 2121 Teil 1, Abschnitt 4 (BGN-Branchenwissen) (gelesen am 23. Oktober 2026)