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Software

KI in der Gerüstplanung: was heute funktioniert

Seit August 2026 gilt die europäische KI-Verordnung weitgehend, und die Bundesnetzagentur überwacht sie in Deutschland. Gleichzeitig nennen immer mehr Gerüstbau-Programme KI-Funktionen. Dieser Ratgeber trennt, was davon heute trägt, was angekündigt ist und wo die Verantwortung beim Menschen bleibt.

Von Ole Emil Frikstad Urstad · So werden die Zahlen berechnet ·

HAKI Universal-Gerüst (Felder 2,5 m, Breite 1,01 m) um ein Haus mit 11,4 × 5,3 m und Satteldach (Traufe 4,5 m, First 6 m), gezeichnet vom 3D-Modell von ScaFix
HAKI Universal (Felder 2,5 m, Breite 1,01 m) um das Beispielhaus, wie ScaFix es in 3D zeichnet.

Kann KI ein Gerüst planen?

KI hilft heute bei Teilaufgaben: Maßstab und Text auf Plänen lesen, Scans in Gebäudemodelle verwandeln und Fragen zu Gerüstdaten über Assistenten wie ChatGPT oder Claude beantworten. Von sechs Anbietern, deren Seiten wir am 23. Oktober 2026 geprüft haben, nennen nur zwei ein Produkt KI, beides Assistenten. Den Standsicherheitsnachweis übernimmt keine KI.

Was regelt die KI-Verordnung, und ab wann?

Die Verordnung (EU) 2024/1689, die KI-Verordnung, ist am 1. August 2024 in Kraft getreten und gilt seit dem 2. August 2026 weitgehend. Die Europäische Kommission nennt folgende Stufen, einschließlich der Änderungen durch den KI-Omnibus von 2026 (Europäische Kommission, KI-Gesetz):

DatumWas gilt
2. Februar 2025Verbotene KI-Praktiken und Pflichten zur KI-Kompetenz
2. August 2025Governance-Regeln und Pflichten für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck
2. August 2026Allgemeine Anwendung, darunter die Transparenzpflichten
2. Dezember 2027Hochrisiko-Anwendungen in sensiblen Bereichen nach Anhang III, etwa kritische Infrastruktur und Beschäftigung
2. August 2028Hochrisiko-KI in regulierten Produkten nach Anhang I

In Deutschland regelt seit dem 29. Juli 2026 das KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetz (KI-MIG) die Zuständigkeiten; nach seinem § 2 ist die Bundesnetzagentur die zuständige Marktüberwachungsbehörde (KI-MIG). Die Behörde beschreibt ihre Aufgabe als Stichprobenprüfungen von KI-Produkten, die Prüfung technischer Unterlagen und die Zusammenarbeit mit anderen nationalen Behörden (Bundesnetzagentur).

Was heißt das für einen Gerüstbaubetrieb?

Zwei Punkte sind sofort relevant. Erstens gilt Art. 4 seit dem 2. Februar 2025. In der durch den KI-Omnibus geänderten Fassung müssen Anbieter und Betreiber Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihres Personals und weiterer Personen zu fördern, die KI-Systeme in ihrem Auftrag bedienen; ein bestimmtes Niveau für einzelne Personen schreibt der Artikel nicht vor (Cuatrecasas zum KI-Omnibus). Wer im Betrieb einen KI-Assistenten nutzt, sollte also wissen, was er kann und was nicht. Zweitens müssen Chatbots seit August 2026 kenntlich machen, dass man mit einer Maschine spricht. Ob ein bestimmtes Planungsprogramm unter eine Hochrisiko-Kategorie fällt, hängt vom Einsatz ab; diese Einordnung sollte der Anbieter erklären können.

Planlesen: was erkennt die Software auf der Zeichnung?

Eine aus CAD exportierte PDF-Zeichnung enthält Linien und Text als Daten; das Programm kann den Maßstab lesen und den Wänden folgen. Ein eingescannter Plan ist dagegen nur ein Bild. Hier muss die Texterkennung (OCR) die Schrift erst zurückgewinnen.

Schwierig ist nicht das Lesen der Zeichen, sondern ihre Bedeutung. Auf demselben Blatt stehen oft „M 1:100“ für den Grundriss und „1:20“ für ein Detail daneben, Maßketten beziehen sich auf den Rohbau statt auf die fertige Fassade, und nach mehrfachem Drucken und Scannen stimmt der Maßstab nicht mehr. Brauchbare Programme übernehmen deshalb nur einen ausdrücklich als Maßstab bezeichneten Wert und lassen ihn an einem bekannten Maß bestätigen. Erker, Anbauten, Möblierung und Schraffuren stören die Konturerkennung; die erkannten Wände sind ein Entwurf, kein Aufmaß.

Doka Ringlock-Gerüst um ein Haus mit 11,4 × 5,3 m und Satteldach (Traufe 4,5 m, First 6 m), gezeichnet vom 3D-Modell von ScaFix
Doka Ringlock um das Beispielhaus, wie ScaFix es in 3D zeichnet.

Scannen statt messen?

Apple beschreibt RoomPlan als Programmierschnittstelle, die mit Kamera und LiDAR-Scanner von iPhone und iPad einen 3D-Grundriss eines Raums samt Maßen erzeugt (Apple Developer). Für Innenräume gedacht, ersetzt das bei der Fassade nicht die eigene Kontrolle.

Photogrammetrie kommt ganz ohne LiDAR aus. Avontus dokumentiert einen Weg, bei dem Smartphone, Tablet oder Drohne mit der App Scaniverse das Gebäude erfassen, das Netz in MeshLab reduziert und als OBJ in Avontus Designer importiert wird; die Anleitung nennt keine Maßgenauigkeit (Avontus). Für jeden Scan gilt deshalb: Hauptmaße vor der Bestellung vor Ort prüfen.

Was versprechen die Anbieter?

Auffällig ist, wie selten die eigentliche Gerüstplanung als KI bezeichnet wird. Stand der Anbieterseiten am 23. Oktober 2026:

AnbieterWas die Seite versprichtAls KI bezeichnet?
Layher LayPLAN CADAutomatisierte Grundplanung über LayPLAN CLASSIC, visuelle Konfliktprüfungen, Übergabe an Stabwerksprogramme (Layher)Nein
NTI SCAFFPLANNERAutomatisierte 3D-Planung in Revit und automatische Festigkeitsberechnungen (NTI)Nein
ScaffcalcMateriallisten per Klick, Lastergebnisse im Vergleich mit den zulässigen Werten des Herstellers (Scaffcalc)Nein
SMART Estimator3D-Modelle mit automatisch erzeugten Materiallisten, Angeboten und Zeichnungen, Aufmaß aus Satellitenbildern (SMART)Nein
Avontus AI Scaffold ConnectEin Konnektor, der nur liest und Claude oder ChatGPT Fragen aus Avontus-Daten beantworten lässtJa
ScaffPlan AIEin Assistent über den laufenden Projektdaten, angekündigt mit WartelisteJa

Die Rechenkerne für Felder und Mengen sind Automatisierung nach Regeln, nicht maschinelles Lernen, und das ist gut so: Feldlängen, Ankerraster und Diagonalabstände stehen in der Aufbau- und Verwendungsanleitung und lassen sich exakt programmieren und prüfen.

Ausdrücklich als KI bezeichnet werden dagegen Assistenten über den eigenen Daten:

  • Avontus AI Scaffold Connect verbindet Claude oder ChatGPT mit den Daten aus Quantify, ScaffoldIQ, Designer und Viewer. Als Beispiel sortiert der Assistent die Materialliste eines Rohrbrückengerüsts nach Höhenlage und teilt sie in Lkw-Ladungen auf. Avontus erklärt, die Daten nicht für KI zu sammeln oder zu speichern; der Assistent liest jedes System mit den bestehenden Berechtigungen und kann im Avontus-Konto nichts anlegen, ändern oder löschen (Avontus).
  • ScaffPlan AI soll die laufenden Projektdaten lesen, Arbeiten im Rahmen der Freigaben des Betriebs vorbereiten und auf Probleme hinweisen, mit über 100 Gerüstbau-Aktionen und Konnektoren über das Model Context Protocol (MCP). Die Seite nennt den Start als bevorstehend und führt eine Warteliste (ScaffPlan).

Das Muster ist in beiden Fällen gleich: Das Sprachmodell versteht die Frage, die Zahlen kommen aus dem System des Anbieters. Ein Chatbot ohne diese Anbindung liefert plausible, aber ungeprüfte Zahlen.

Wo endet, was KI darf?

Beim Standsicherheitsnachweis. Zwei Unterlagen belegen nach TRBS 2121-1 Nr. 4.1 die Brauchbarkeit eines Gerüsts: der Standsicherheitsnachweis und der Plan für Auf-, Um- und Abbau. Steht das Gerüst als allgemein anerkannte Regelausführung, zum Beispiel ein System mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung des DIBt, ist der Nachweis damit erbracht (Nr. 4.1.1), der Plan aber nicht entbehrlich (TRBS 2121-1, Abschnitt 4). Den Plan für Auf-, Um- und Abbau erstellt der Gerüstersteller, die Arbeiten beaufsichtigt eine fachkundige Person (TRBS 2121-1 Nr. 4.1.2), und das Gerüst prüft eine zur Prüfung befähigte Person. Ein Assistent kann entwerfen, zählen und erinnern, die Verantwortung trägt er nicht.

Was lohnt sich heute?

  1. Planlesen und Scans für das Tempo nutzen, aber jeden Maßstab und jedes Hauptmaß bestätigen.
  2. Für Mengen auf Regelwerke setzen, die der Aufbau- und Verwendungsanleitung folgen und sich daran prüfen lassen.
  3. Assistenten nur über echten Daten einsetzen und bei jeder Zahl fragen, woher sie stammt.
  4. Mitarbeiter schulen, auch weil Art. 4 der KI-Verordnung Maßnahmen zur KI-Kompetenz verlangt.
  5. Angekündigtes von Verfügbarem trennen: „demnächst“ ist noch keine Funktion.

ScaFix, das wir entwickeln, folgt demselben Muster: Der PDF-Import erkennt den Maßstab gescannter Pläne per Texterkennung im Browser, die iPhone-App kann zusätzlich mit LiDAR scannen, und die ChatGPT-App, derzeit eine Entwicklervorschau, gibt die Wandmaße an die ScaFix-Engine weiter, damit ChatGPT keine Zahlen erfindet (ScaFix in ChatGPT). Wie Planungsprogramme insgesamt arbeiten, erklärt Was macht eine Gerüstbau-Software?; den Weg vom Plan zum Gerüst zeigt PDF-Plan zur Gerüstplanung.

Das sind Planungsangaben, kein Standsicherheitsnachweis. Maßgeblich sind die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers, die Zulassung des DIBt und die TRBS 2121; für KI-Systeme gelten die KI-Verordnung und das KI-MIG mit der Bundesnetzagentur als Aufsicht, und vor der Benutzung prüft eine zur Prüfung befähigte Person das Gerüst.

Häufige Fragen

Gibt es KI-Software für die Gerüstplanung?

Einige Anbieter bieten KI-Assistenten über ihren Gerüstdaten an, etwa Avontus AI Scaffold Connect; ScaffPlan AI ist angekündigt. Feldaufteilung und Materialliste kommen meist aus regelbasierten Rechenkernen.

Wer überwacht KI in Deutschland?

Nach dem KI-MIG, in Kraft seit dem 29. Juli 2026, ist die Bundesnetzagentur die zuständige Marktüberwachungsbehörde für die KI-Verordnung.

Kann ChatGPT ein Gerüst berechnen?

Allein nur schätzen, ohne geprüfte Zahlen. Über eine App oder einen Konnektor an einen Gerüst-Rechenkern angebunden, gibt es die Maße weiter und liefert dessen Ergebnis.

Ab wann gelten die Hochrisiko-Regeln der KI-Verordnung?

Für Anwendungsfälle nach Anhang III ab dem 2. Dezember 2027, für KI in regulierten Produkten nach Anhang I ab dem 2. August 2028.

Ersetzt ein Scan das Aufmaß?

Nein. Scans liefern ein schnelles Modell, die Anbieter nennen aber keine Maßgenauigkeit; Hauptmaße werden vor Ort geprüft.

Quellen

Die Primärquellen dieses Artikels, jeweils mit dem Datum, an dem sie gelesen wurden.