Zum Inhalt springen

Kurzantwort

Wie groß darf der Wandabstand am Gerüst sein?

An der Innenseite fehlt meist das Geländer. Das ist nur zulässig, solange der Spalt zwischen Belag und Fassade klein bleibt, und an gedämmten Fassaden wird genau das zur Planungsfrage.

Von Ole Emil Frikstad Urstad · So werden die Zahlen berechnet ·

Nahaufnahme der obersten HAKI Universal-Lage unter der Traufe, mit Geländern und Bordbrettern, im 3D-Modell von ScaFix
Die oberste Lage unter der Traufe, mit Geländern und Bordbrettern.

Wie groß darf der Wandabstand am Gerüst sein?

Höchstens 0,30 m waagerecht zwischen Belagkante und einer tragfähigen Fläche des Bauwerks, dann braucht die Innenseite keinen Absturzschutz (TRBS 2121-1, Nr. 4.2.1 und 4.3.1). Darüber gehört innen ein zweiteiliger Seitenschutz hin oder eine Innenkonsole. Bei WDVS-Arbeiten muss das in jedem Bauzustand eingehalten werden.

Wo wird der Wandabstand gemessen?

TRBS 2121 Teil 1 misst von der Kante der Belagfläche zu einer tragfähigen und ausreichend großen Fläche des Bauwerks. Derselbe Satz steht für die Montage (4.2.1) und für den Gebrauch (4.3.1), und die DGUV Information 201-011 übernimmt ihn in Abschnitt 4.7. Eine KomNet-Antwort aus NRW vom Januar 2024 bestätigt die Folge: Über 0,30 m muss auch innen ein Seitenschutz mit Geländer- und Zwischenholm stehen (KomNet 4664).

Was gilt an Fassaden mit WDVS?

Die gemeinsame Fachinformation der Gerüstbau- und Malerverbände (pdf) vom September 2020 ist hier die Arbeitsgrundlage:

  • Der Abstand zwischen Belagkante und Fassade darf in allen Bauzuständen 30 cm nicht überschreiten. An den Rahmensträngen bleiben etwa 23 cm freier Arbeitsraum.
  • Der Planer legt den lichten Abstand zur bestehenden Fassade in der Leistungsbeschreibung fest: WDV-Systemdicke plus höchstens 30 cm Arbeitsraum. Heute sind Dämmstoffdicken von 14 bis 30 cm üblich.
  • Geht das in einem Bauzustand nicht, baut der Gerüstersteller innen einen mindestens zweiteiligen Seitenschutz oder eine Innenkonsole ein. Dieser Umbau ist gesondert auszuschreiben und zu vergüten (ATV DIN 18451).
  • Das Gerüst braucht mindestens Lastklasse 3; wer Dämmplatten auf dem Belag lagert, braucht 90 cm Breite (W09).

Auch die Anker leiden unter dem Abstand. Die Fachinformation nennt rund 7 cm zwischen Ringöse und Ankergrund als Grenzwert der Praxis, darüber trägt die Ringösenschraube parallel zur Fassade kaum noch. Mehr dazu in der Gerüstverankerung.

Nahaufnahme der Ecke, an der Längswand und Giebelwand zusammentreffen, mit Layher Allround-Stielen, Belägen, Geländern und Bordbrettern im 3D-Modell von ScaFix
Die Ecke: Die Felder der beiden Wände treffen sich, mit Belag, Geländer und Bordbrett auf jeder Lage.

Wann reicht eine Konsole?

Wenn die Arbeit dicht an der Wand stattfinden muss. Ein innerer Seitenschutz schließt den Spalt, hält aber auf Abstand; eine Innenkonsole holt den Belag heran. Die Fachinformation zeigt die übliche Lösung: ein Systemgerüst der Breitenklasse SW06 mit einer 30 cm breiten Innenkonsole ergibt 0,90 m Belagbreite und entspricht damit W09, bei höchstens 0,30 m Wandabstand. Eine außen angeordnete Konsole in ihrem Bild 6 entspricht ausdrücklich nicht der Regelausführung. Welche Konsolen in welcher Lage zulässig sind, steht in der Aufbau- und Verwendungsanleitung des Systems.

Was ändern Balkone und Erker?

Sie drücken das Gerüst über ganze Felder nach außen. Schon bei der Montage zählen sie: Nach DGUV 201-011, Abschnitt 4.7.1, braucht die oberste Lage für den Horizontaltransport mindestens einen einteiligen Seitenschutz je Feld, sofern nicht Balkone, Erker oder besondere Gerüstbauarten das verhindern. Ist ein technischer Schutz nicht möglich, folgt nach der Rangfolge der Maßnahmen persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz. Für Ecken und Vorsprünge siehe Gerüstecken ausbilden.

Wie regeln andere Länder den Abstand?

LandAbstand ohne InnenschutzFundstelle
Deutschland0,30 mTRBS 2121-1, 4.2.1 und 4.3.1
Norwegen0,30 m§ 17-14 forskrift om utførelse av arbeid
Dänemark0,3 mBEK 428 § 94
Niederlande15 cm (Übergabe-Checkliste)A-blad Steigerbouwen, Anlage 5
Polen0,2 m§ 115 Abs. 4
USA14 Zoll (36 cm)29 CFR 1926.451(b)(3)

Dies ist Planungswissen, keine statische Freigabe. Über Wandabstand, Konsolen und Verankerung entscheiden die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers, TRBS 2121-1 und gegebenenfalls ein Standsicherheitsnachweis; vor der Nutzung prüft eine befähigte Person das Gerüst.

Häufige Fragen

Wie viel Wandabstand braucht ein Gerüst für eine Fassadendämmung?

Die Dämmstoffdicke plus höchstens 30 cm Arbeitsraum. Den genauen lichten Abstand legt der Planer in der Leistungsbeschreibung fest.

Wer bezahlt den Umbau auf Innenkonsolen?

Nach der WDVS-Fachinformation baut der Gerüstersteller um, und die Leistung ist gesondert auszuschreiben und zu vergüten. Sie gehört deshalb schon ins Leistungsverzeichnis.

Wie breit muss ein Gerüst für WDVS-Arbeiten sein?

Mindestens 90 cm (W09), wenn Material auf dem Gerüst gelagert und bearbeitet wird, etwa als SW09 oder als SW06 mit 30-cm-Innenkonsole.

Darf ein Big-Bag mit Dämmstoff an den Seitenschutz gehängt werden?

Grundsätzlich nicht. Nur im Einzelfall mit Zustimmung des Gerüstbauers, an einer Sonderkonstruktion und nach Prüfung von Standsicherheit und Tragfähigkeit.

Gilt der Wandabstand auch beim Aufbau?

Ja. TRBS 2121-1 nennt die 0,30 m in Nr. 4.2.1 ausdrücklich für Montagearbeiten, nicht erst für den fertigen Gebrauch.

Quellen

Die Primärquellen dieses Artikels, jeweils mit dem Datum, an dem sie gelesen wurden.